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Afrikanische Große Seen

Frauenrechte in DR Kongo, Ruanda, Uganda: Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen unterstützen wir Überlebende sexualisierter Gewalt.

Mitarbeiterin der Partnerorganisation MEMPROW mit drei jungen Müttern auf einem gemeinschaftlich bearbeiteten Gemüsefeld.

Die zentralafrikanische Region der Großen Seen umfasst mit der DR Kongo, Ruanda, Burundi und Uganda Postkonfliktländer sowie Länder mit akuten Konflikten. Die Konfliktursachen reichen zurück bis in die Kolonialzeit, es geht vor allem um Land und Bodenschätze. Anhaltende Migration und Flucht sowie ethnische Spannungen und unzählige Rebellengruppen und Milizen lassen die Gewalt immer wieder aufflammen. Das globale Geschäft mit Coltan, Gold und Kobalt befördert eine florierende Kriegsökonomie, an der sich Politiker:innen und Militärs bereichern. Vor den Augen der UN-Friedenstruppen und der Weltöffentlichkeit wird sexualisierte Gewalt fortwährend als Waffe eingesetzt.

Acht Fakten über Frauenrechte in der Region der Großen Seen

1. DR Kongo: Konfliktbedingte sexualisierte Gewalt

Allein 2020 dokumentierte die UN-Friedensmission MONUSCO 1.053 Fälle sexualisierter Kriegsgewalt in der DR Kongo. 700 dieser Übergriffe wurden von nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen verübt, der Rest durch staatliche Sicherheitskräfte und Armeeangehörige. Häufig werden Frauen auf den Feldern oder beim Wasserholen überfallen und vergewaltigt. Nur selten finden die Überlebenden medizinisch-psychologische oder materielle Hilfe.

2. Ruanda: Sexualisierte Kriegsgewalt und Trauma

Zwischen 250.000 und 500.000 Frauen und Mädchen wurden, laut UN-Angaben, in Ruanda im Zuge des Völkermords vergewaltigt. Tausende Kinder gingen aus diesen brutalen Übergriffen hervor. Die soziale Isolierung und Ächtung der Überlebenden und ihrer Kinder treffen die gesamte Familie. Aufgrund der gesundheitlichen und traumatischen Belastungen und fehlender Einkommensmöglichkeiten leben sie oft in Not und Armut.

3. Uganda: Verstoßen und ausgegrenzt

Während der bewaffneten Konflikte in Uganda seit den frühen 1980er Jahren wurden unzählige junge Frauen und Mädchen von Rebellen verschleppt. Über Monate, manchmal Jahre wurden sie festgehalten, sexuell versklavt und immer wieder vergewaltigt. Viele der Überlebenden wurden so ungewollt zu Müttern. In den Augen ihrer Familien gelten sie als „beschmutzt“ und werden, genau wie ihre Kinder, oft verstoßen und sozial ausgegrenzt.

4. Sexualisierte Gewalt im Alltag

Unterdrückung und Gewalt prägen auch den Alltag vieler Frauen in der Region. Laut nationalen Gesundheitsumfragen haben rund 44 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter in Ruanda, 47 Prozent in Burundi, 58 Prozent in der DR Kongo und 62 Prozent in Uganda körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren. Diese reicht von Vergewaltigung über Sklaverei und Menschenhandel bis zu Zwangsehen und sexualisierter Gewalt von Partnern.

5. Geschlechtsspezifische Gewalt: weil sie Mädchen sind

Mädchen unterliegen einem Kontinuum der Gewalt und Entmachtung. So wird in Uganda fast jede zweite Frau vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Mit 25 Prozent ist die Rate der Teenagerschwangerschaften eine der höchsten weltweit. Die Betroffenen müssen meist die Schule verlassen und verlieren so ihre Chance auf Bildung. In der DR Kongo wird etwa jedes fünfte Mädchen von ihren Lehrern zu sexuellen Handlungen im Tausch für bessere Noten genötigt. Waisen, Straßenkinder und ethnische Minderheiten sind besonders gefährdet.

6. Strukturelle Gewalt und Unterdrückung

In der DR Kongo und Burundi verstärken Familiengesetze die Diskriminierung von Frauen und Mädchen. Sie gelten demnach gegenüber Männern als minderwertig und unterstehen ihrer Vormundschaft. Auch in Ruanda und Uganda scheitern Reformen, die für mehr Gleichberechtigung und Schutz vor Gewalt sorgen sollen, in der Praxis an patriarchalen Werten und Widerständen. Korruption und eine schwache Justiz verhindern, dass Täter bestraft und Überlebende entschädigt werden.

7. Eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsversorgung

Infolge der langen Konflikte ist die Gesundheitsversorgung in den Großen Seen unzureichend. Vor allem auf dem Land fehlen Gesundheitseinrichtungen und Personal. Viele Frauen und Mädchen werden bei Vergewaltigungen so schwer verletzt, dass sie es nicht in die nächste Klinik schaffen. Die meisten können sich den Transport, Medikamente oder eine Behandlung aber ohnehin nicht leisten. Fehlende Vorsorge und riskante Schwangerschaftsabbrüche führen zu einer hohen Müttersterblichkeit und Fehlgeburten.

8. Meilensteine im Kampf gegen sexualisierte Gewalt

Die regionalen Frauenrechtsorganisation haben das Thema sexualisierte Gewalt in die öffentliche Debatte gebracht. Auf ihren Druck hin haben die Staaten der Region wichtige UN-Resolutionen zu Frauen, Frieden und Sicherheit angenommen. Ein weiterer Erfolg war das 2006 von der internationalen Konferenz der Großen Seen verabschiedete Protokoll zur Verhütung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder. Dies sieht neben dem Ende der Straflosigkeit die Rehabilitierung und Unterstützung Überlebender und Prävention vor.

(Stand: 2021)

Zahlen und Fakten aus der Praxis

1.100
Über 1.100 gewaltbetroffene Frauen und Mädchen erhielten in der Süd-Kivu- Region der DR Kongo ganzheitliche Betreuungsangebote.
90
Rund 90 Frauen im Süd-Kivu konnten von Einkommen schaffenden Maßnahmen profitieren.
6.000
In Burundi wurden über 6.000 Personen im Rahmen des Programms „Twiteho Amagara“ über sexualisierte Gewalt und Präventionsmaßnahmen aufgeklärt.

Bitte unterstützen Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende!
 

Partnerorganisationen:

  • Burundi: Association NTURENGAHO, Dushirehamwe, MUKENYEZI MENYA
  • DR Kongo: AFPDE, EPF, HAM, La Floraison, PAIF, RAPI, RFDP
  • Ruanda: Solidarité pour l‘Epanouissement des Veuves et des Orphelins (SEVOTA)
  • Uganda: FOWAC, Mentoring and Empowerment Programme for Young Women (MEMPROW)

Projektschwerpunkte:

  • Ganzheitliche Unterstützung für Überlebende sexualisierter Gewalt und ihre Kinder
  • Gemeindearbeit gegen Gewalt in der Familie
  • Organisationsentwicklung für Frauenrechtsorganisationen

Finanzierung (Mittelgeber):

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Sigrid Rausing Trust
  • Fondation Smartpeace
  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ GmbH)
  • Medicor Foundation
  • Leopold Bachmann Stiftung
  • EU/HNTPO
  • Siftung Anne-Marie Schindler
  • Eigenmittel

Quelle: Jahresbericht 2020

Zu sehen ist das Logo der Frauenrechtsorganisation medica mondiale im Hintergrund mit arabischen Schriftzeichen darunter. Rechts davor das Gesicht einer freundlich lächelnden Frau. Es ist Rechtsberaterin Jihan Abas Mohammed.
Zu sehen ist das Logo der Frauenrechtsorganisation medica mondiale im Hintergrund mit arabischen Schriftzeichen darunter. Rechts davor das Gesicht einer freundlich lächelnden Frau. Es ist Rechtsberaterin Jihan Abas Mohammed.
Partnerorganisationen weltweit
Übersicht über alle Partnerorganisationen von medica mondiale

Arbeitsschwerpunkte

1. Frauenorganisationen vernetzen und stärken

Ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen erfordert langfristigen gesellschaftlichen Wandel. Doch bisher scheitern Fortschritte am fehlenden politischen Willen und Engagement. medica mondiale setzt daher darauf, Frauenorganisationen in der Region zu vernetzen, um gemeinsam gegen Gewalt anzugehen. Drei länderübergreifende Programme bieten den Partnerinnen neben finanzieller und fachlicher Unterstützung Raum, sich auszutauschen und von- und miteinander zu lernen

2. Gewaltkreisläufe durchbrechen

Gewaltkreisläufe zu durchbrechen erfordert sowohl die Ursachen als auch die Folgen von Gewalt anzugehen. Gewaltprävention sowie Unterstützung gewaltbetroffener Frauen und Mädchen sind in unseren Projekten in der Region Große Seen daher essentiell. Wir unterstützen Frauen und Mädchen in erster Linie darin, ihr Selbstbewusstsein und ihren sozialen Status zu stärken. So gewinnen sie Handlungsfähigkeit, um sich gegen Gewalt und patriarchale Denkweisen zu erheben.

3. Ganzheitliche Hilfe

Die Partnerorganisationen von medica mondiale sind oft die erste Anlaufstelle für Überlebende sexualisierter Gewalt. Sie bieten ganzheitliche Unterstützung und überweisen bei Bedarf an Kliniken oder Juristinnen. Allein im Süd-Kivu wurden 2020 rund 500 Frauen und Mädchen psychosozial betreut und etwa 200 medizinisch versorgt. Einkommen schaffende Maßnahmen wie Landwirtschaftsschulungen und Kleinkredite stärken zudem die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen.

4. Trainings zum stress- und traumasensiblen Ansatz (STA)

Die Arbeit mit Überlebenden von Gewalt ist für unsere Partnerorganisationen oft belastend und herausfordernd. Selbstfürsorge ist daher ein wichtiger Aspekt unserer Projekte. Regelmäßige Supervisionen und Trainings helfen den Mitarbeiter:innen, Stress vorzubeugen und besser zu verarbeiten. Seit 2021 schulen regionale Expertinnen auch Fachkräfte in Gesundheitseinrichtungen in Burundi und der DR Kongo im stress- und traumasensiblen Ansatz (STA). Damit wollen wir ein Umfeld schaffen, in dem Überlebende ganzheitliche Unterstützung erhalten und sich stabilisieren können.

5. SASA!: Gewalt gegen Frauen jetzt beenden

In Burundi nutzen die Partnerorganisationen neue Wege zur Gewaltprävention. Mit dem aus Uganda übernommenen SASA!-Ansatz soll auf ungleiche Machtstrukturen aufmerksam gemacht und diese verändert werden. Dazu werden Schlüsselakteur:innen wie Dorfälteste, Frauengruppen, Eltern und Lehrkräfte mobilisiert, sich in ihren Gemeinden aktiv für Gleichberechtigung und den Schutz von Frauen und Mädchen einzusetzen. Das fängt zum Beispiel schon damit an, Haushaltspflichten wie Wasserholen gerecht zu verteilen.

6. Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit

Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit sind für unsere Partnerorganisationen wichtige Mittel, um die Rechte und den Schutz von Frauen und Mädchen durchzusetzen. Im Ostkongo etwa schulen sie Behörden, Gemeinden und Führungskräfte darin, Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz vor sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt umzusetzen. Mit einer Lobbykampagne kämpfen sie auf struktureller Ebene gegen Korruption und illegale Gerichtskosten. In Uganda fordert MEMPROW die Regierung auf, die Mittel für Programme zur Förderung von Frauen und Mädchen zu erhöhen.

7. Feminist Action

Feministisch handeln heißt gemeinsam handeln. medica mondiale setzt daher auf Austausch und Vernetzung. Bei einem Fachtag treffen sich jedes Jahr Akteur:innen und Partnerinnen aus der ganzen Region. Gemeinsam diskutieren sie zum Beispiel wirksame Ansätze der psychosozialen Arbeit. 2019 ging es um feministische Ansätze zur Prävention von Gewalt. Mit feministischen Führungstrainings stärken wir zudem Frauen in Leitungspositionen zivilgesellschaftlicher und staatlicher Strukturen.

(Stand: 2021)