Wir unterstützen Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten.
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Was uns leitet

Erfahren Sie, welche Arbeitsprinzipien und Werte uns bei der Prävention von Gewalt an Frauen und bei der Unterstützung Überlebender leiten.

Eine Frau mit mehreren Demonstrationsplakaten mit Texten wie Frauenrechte oder Frauen sind nicht schuld an ihrer Vergewaltigung.

Wir setzen uns gegen sexualisierte Gewalt ein – weltweit. Dies tun wir, indem wir Gewalt verhindern, Überlebende unterstützen, und feministische Aktion stärken. Um mit unserer Arbeit wirksam zu sein, stellen wir uns folgenden Fragen: Was verstehen wir unter Gewalt und Trauma? Was sind die Ursachen und Folgen von Gewalt gegen Frauen und von sexualisierter Kriegsgewalt? Wo sollten wir ansetzen, um sowohl präventiv gegen Gewalt vorzugehen als auch Gesellschaften, Frauen und Mädchen zu unterstützen, mit Gewaltfolgen umzugehen? Und welche Arbeitsprinzipien und Werte leiten uns dabei?

Wofür engagieren wir uns?

Wir engagieren uns als Teil einer transnationalen vielfältigen Frauenbewegung, in Netzwerken und gemeinsam mit Partnerorganisationen für die Beendigung von sexualisierter Gewalt und für eine geschlechtergerechte Gesellschaft. Ausgangspunkt unserer Arbeit ist der Einsatz gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten. Diese ist inzwischen international als schwere Menschenrechtsverletzung anerkannt. Wir sehen sexualisierte Kriegsgewalt als Kontinuum und Zuspitzung von struktureller Gewalt gegen Frauen, die auch in Friedenszeiten pandemische Ausmaße annimmt.

Was verstehen wir unter Gewalt gegen Frauen?

Gewalt gegen Frauen manifestiert sich als direkte, strukturelle und symbolische Gewalt. Direkte Gewalt spielt sich zwischen Personen ab; im familiären und sozialen Umfeld ebenso wie im Kontext von kriegerischen Auseinandersetzungen. Unter struktureller Gewalt verstehen wir Strukturen, denen eine Ungleichbehandlung von Menschen und das Vorenthalten ihrer Rechte zugrunde liegt– manifestiert zum Beispiel in Rassismus, ausbeuterischen Wirtschaftssystemen oder Ungleichheit der Geschlechter als eine der hartnäckigsten Manifestationen struktureller Gewalt.

Die Legitimierung von direkter und struktureller Gewalt beispielsweise über Narrative, Lieder oder Bilder bezeichnen wir als symbolische Gewalt. Die Objektivierung von Frauen oder der Glaube an ihre Minderwertigkeit ist symbolische Gewalt, die tief verwurzelt ist in sozialen Normen, Traditionen, Religionen. Dies ist Nährboden für sexualisierte Gewalt und – als eine ihrer grausamsten Ausprägungen – sexualisierte Kriegsgewalt. 

Ein aus bunten Origami-Vögeln gebastelter Schriftzug an einer Hauswand: Stop violence against women
Ein aus bunten Origami-Vögeln gebastelter Schriftzug an einer Hauswand: Stop violence against women
Gewalt gegen Frauen: Ursachen und Folgen
Gewalt gegen Frauen ist eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen. Sie ist Ausdruck ungleicher Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen.

Was verstehen wir unter sexualisierter Kriegsgewalt?

Die in öffentlichen und politischen Diskursen häufig formulierte These, sexualisierte Kriegsgewalt habe als Kriegsmittel vor allem einen strategischen Charakter und sei eine Ausnahmesituation, greift unserer Analyse und Erfahrung nach zu kurz. Denn Frauen und Mädchen erleben sexualisierte Gewalt kontinuierlich und in großem Ausmaß auch in ihrem sozialen Umfeld, in der Familie, in staatlichen Einrichtungen sowohl vor, während als auch nach bewaffneten Konflikten (Kontinuum der Gewalt). Sexualisierte Gewalt ist für uns Ausdruck patriarchal geprägter gesellschaftlicher Strukturen und misogyner Wertvorstellungen, die – zum Teil latent, zum Teil ganz offensichtlich – in allen Gesellschaften weltweit in unterschiedlichem Ausmaß bestehen.

Was verstehen wir unter Feminismus?

medica mondiale bezieht daher immer Position für Frauen und hat zum Ziel, patriarchale Geschlechterverhältnisse abzubauen und Frauen und Mädchen in ihrem Umfeld zu stärken. Unerlässlich hierfür ist es, Formen intersektionaler Diskriminierung zu berücksichtigen. Also neben Geschlechterzuschreibungen auch andere Faktoren wie Klassenzugehörigkeit, Armut, Rassismus oder sexuelle Orientierung, die in ihrem Zusammenwirken Gewalt und Diskriminierung verstärken. Eine klar feministische Perspektive muss deshalb immer auch intersektionale Analysen und Umsetzungsstrategien miteinschließen.

Was verstehen wir unter Trauma?

Wir vertreten ein feministisches und soziopolitisches Trauma-Verständnis. Im Gegensatz zu einer rein klinisch orientierten Perspektive bedeutet dies, dass nicht nur das Trauma der einzelnen Frauen und ihre Traumasymptome in den Blick genommen werden, sondern immer auch Gewalt als Ursache dieser Traumatisierungen thematisiert wird. Wir bewerten posttraumatische Belastungsreaktionen als Überlebens- und Verteidigungsstrategien im Angesicht von Gewalt, Bedrohung und Unterdrückung. Wir wirken daruaf hin, auf allen Ebenen einen Beitrag zur Traumabewältigung und Gewaltprävention und damit zum gesellschaftlichen Wandel zu leisten.

Was ist unter unserem Mehrebenenansatz zu verstehen?

Für unseren Einsatz für Frauenrechte haben wir einen Mehrebenenansatz entwickelt. Denn um nachhaltigen Wandel zu bewirken, müssen Veränderungen auf vielen verschiedenen Ebenen ineinandergreifen: auf der individuellen Ebene (der von Gewalt Betroffenen), auf der sozialen Ebene (in ihrem Umfeld), auf institutioneller Ebene (in zivilgesellschaftlichen und staatlichen Einrichtungen), auf politischer und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene (gesellschaftlicher Diskurs/Normen/Narrative).

Ganz wesentlich ist die Förderung von Solidarität mit und Unterstützung von Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen und Mädchen durch ihr soziales Umfeld. Eine andere wichtige Komponente ist die Sicherstellung von kompetenter und empathischer Unterstützung durch die Qualifizierung und Beratung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie des staatlichen Gesundheits- und Justiz- beziehungsweise Sicherheitssektors. Gleichzeitig wirkt medica mondiale gemeinsam mit zahlreichen Partnerorganisationen und Kooperationspartner:innen auf eine geschlechtergerechte, strukturelle Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen und auf eine Bekämpfung der Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt hin.

Welche Werte leiten uns?

Solidarisch sein.

Wir stehen ein für globale Gerechtigkeit und tragen Verantwortung für unser Handeln. Nur in Gemeinschaft mit anderen erreichen wir unsere Vision.

Beharrlich sein.

Wir handeln zielstrebig, konsequent und ausdauernd. Nur so lassen sich patriarchale Strukturen verändern.

Selbstkritisch & kreativ sein.

Wir wollen, dass unser Handeln individuelle und strukturelle Veränderungen bewirkt. Deshalb prüfen und evaluieren wir unsere Arbeit kontinuierlich und entwickeln sie in kreativ-kritischer Zusammenarbeit mit Aktivist:innen aus aller Welt weiter.