Frauenrechte in Afghanistan

Die Situation für Frauen und Mädchen in Afghanistan hat sich mit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 massiv verschlechtert.

Eine Frau mit braunem Kopftuch geht an einer dunkel bemalten Wand vorbei, auf der Demo-Sätze zu Frauenrechten stehen. © Getty Images

In Afghanistan leiden die Menschen seit Jahrzehnten unter Hunger, Krieg und Terror. Doch mit der Machtergreifung der Taliban im August 2021 verschärfte sich die Situation gravierend. Laut World Food Programme (WFP) sind zwei Drittel der Bevölkerung 2023 auf humanitäre Hilfe angewiesen – fast dreimal so viel wie 2021. Für Frauen und Mädchen ist die Lage besonders dramatisch. In nur wenigen Monaten höhlten die Taliban mit unvergleichlicher Härte ihr Recht auf Selbstbestimmung aus und machten 20 Jahre Fortschritt für die Rechte von Frauen und Mädchen zunichte.

Taliban missachtet mit unvergleichlicher Härte Frauenrechte in Afghanistan

Trotz anfänglicher Versprechen, Frauenrechte im Rahmen der Scharia zu respektieren, erließen die Taliban zahlreiche Verbote, die Frauen und Mädchen daran hindern, ihre grundlegenden Rechte auf Meinungsäußerung, Freiheit, Arbeit und Bildung wahrzunehmen. Afghan:innen, die friedlich für ihre Rechte protestieren, werden bedroht, verhaftet und gefoltert. Frauenrechtsaktivist:innen berichten von Entführungen, Kinderehen, Zwangsverheiratungen und Vergewaltigungen.

Rechtlosigkeit von Frauen wird zu staatlicher Politik

1919 erhielten Afghaninnen das Wahlrecht. 1920 öffnete die erste Mädchenschule ihre Türen. In den 1970er Jahren hob die damalige afghanische Regierung das Heiratsalters für Frauen von 18 auf 21 Jahre, schaffte die Polygamie ab und führte die Schulpflicht ein.

Doch nach ihrem Sieg gegen die Sowjetunion Ende der 1980er Jahre schränkten die Mudschaheddin – und später die Taliban – die Rechte der Frauen extrem ein. Zwar gelang es Aktivist:innen nach dem Einmarsch der NATO-Truppen in Afghanistan 2001, große Fortschritte in der Gesetzgebung zu erkämpfen. Allerdings existierten viele staatlich verbriefte Rechte auch bis kurz vor der Machtübernahme der Taliban im August 2021 nur auf dem Papier. Patriarchale Strukturen, religiöser Fundamentalismus und Korruption verhinderten die Umsetzung vieler Gesetze.

Eine Frau hält auf einer Demonstration ein Plakat mit der Aufschrift Save Afghanistan in die Höhe. © meandering images/Shutterstock
Ihre Spende für Afghanistan
Dank Ihrer Spende können wir Frauen in Afghanistan unterstützen

Unter den Taliban wurde die Rechtlosigkeit von Frauen wieder staatliche Politik: Sie wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Ihr Zugang zu zivilen Rechten und Freiheiten wurde radikal beschnitten. Alternative Lebensentwürfe von Frauen und LGBTQI+-Menschen, die ein von der Familie unabhängiges Leben führen oder ihre Homosexualität leben möchten, sind unmöglich geworden. Frauenrechtsaktivist:innen werden massiv bedroht. Trotzdem kämpfen afghanische Frauen nach wie vor für ihre Rechte und gegen den Fundamentalismus der Taliban – auch wenn sie mit enormen Repressalien rechnen müssen.

Lesen Sie im Interview mit unserer Afghanistan-Referentin Inga Weller wie Frauenrechtsaktivist:innen unter größten Risiken in Afghanistan weiterkämpfen und was Sie tun können.
Ausschnitt Bahara 16:9 © Lela Ahmadzai
Weil wir Frauen sind.
Afghanische Aktivistinnen erzählen von Mut und Widerstand.
Ein Ausstellungsprojekt über und mit mutigen Frauenrechtsaktivistinnen aus Afghanistan. 

Zehn Fakten über Frauenrechte in Afghanistan

1. Einschränkung der Bewegungsfreiheit & restriktive Kleidervorschriften

Die Taliban erließen eine Reihe von Dekreten und Richtlinien, die die Menschenrechte von Frauen und Mädchen missachten, darunter: das Recht auf Bewegungsfreiheit. Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nur unterwegs sein, wenn sie von einem männlichen Verwandten, einem Mahram, begleitet werden. Generell dürfen sie das Haus nur zu dringenden Besorgungen und nur vollständig verschleiert verlassen. Alleinreisende Frauen dürften nicht befördert werden.

Halten sich die Frauen nicht an die Kleidervorschriften, droht ihren männlichen Verwandten Haft. Nachrichtensprecher:innen im Fernsehen müssen ihr Gesicht während der Ausstrahlung des Programms vollständig verschleiern.

2. Von Gewalt bedrohte Frauen und Mädchen ohne Schutz

Den Überlebenden sexualisierter Gewalt bleiben kaum noch Anlaufstellen. Das landesweite Unterstützungssystem, das Frauenrechtler:innen in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hatten, ist fast vollständig zusammengebrochen.

Frauenhäuser mussten schließen, Mitarbeitende von Organisationen, die Schutz und Beratung anboten, werden bedroht oder müssen verdeckt arbeiten. Das Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (EVAW Law), das seit 2009 22 Misshandlungen von Frauen unter Strafe stellte, hat keine Gültigkeit mehr. Das Frauenministerium wurde abgeschafft. Auf ihrem Eroberungszug durch das Land ließen die Taliban 2021 systematisch Gefangene frei. Viele von ihnen waren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt verurteilt worden.

3. Kinder- und Zwangsheirat: Armutsbekämpfung und Kriegsbeute

Schon vor dem Sieg der Taliban war eines von drei Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet worden. Diese hohe Zahl stieg bis 2023 weiter an. Die humanitäre Krise im Land trifft Frauen, frauengeführte Haushalte und kinderreiche Familien besonders hart. Um nicht zu verhungern, verheiraten immer mehr Eltern ihre oft noch sehr jungen Töchter gegen einen Brautpreis.

Manche Familien verheiraten ihre Töchter auch, um sie zu schützen: Vor einer Zwangsheirat mit einem Taliban-Kämpfer. Denn immer wieder zwingen die Islamisten Familien dazu, ihnen ihre unverheirateten Töchter als Ehefrauen zu geben. Andere verheiraten ihre Töchter mit einem Talib, um die Familie unter dessen Schutz zu stellen. Das von der Taliban im Dezember 2021 erlassene Dekret zum Verbot von Zwangsheirat schützt sie nicht.

Soraya Sobhrang, afghanische Frauenrechtsaktivistin sitzt im Vordergrund, hinter ihr ein Teich CR Rendel Freude © Rendel Freude

„Vielen jungen Mädchen droht die Zwangsverheiratung, denn die Hungersnot, die in Afghanistan wütet, treibt die Menschen zur Verzweiflung – sie verkaufen ihre Töchter in der Hoffnung, so wenigstens den Rest ihrer Familie vor dem Hungertod bewahren zu können.“

Soraya Sobhrang, afghanische Frauenrechtsaktivistin

4. Mädchen wird das Recht auf Bildung abgesprochen

Eine der ersten politischen Handlungen der Taliban war es, den Mädchen den Besuch von weiterführenden Schulen zu verbieten. Auch studieren dürfen Frauen seit Dezember 2022 nicht mehr. Zwar laufen einige Kurse online weiter. Doch zu den Prüfungen sind die Studentinnen nicht zugelassen. Ohne Bildung steigt das Risiko für Mädchen, ausgebeutet, missbraucht oder früh verheiratet zu werden. Ihre Chancen, später einmal zu studieren und einen guten Job zu finden, schwinden.

Mit Sorge beobachten Frauenrechtsaktivist:innen, wie überall islamische Schulen entstehen. Weil sie sonst keine Chance auf Unterricht haben, besuchen auch immer mehr Mädchen und junge Frauen diese Madrassas. Dort verbreiten die Lehrenden islamistisches und radikales Gedankengut, das die Schüler:innen in ihre Familien tragen.

Portraitfoto von Humaira Rasuli. © Privat

„Alle Mädchen sollten die Möglichkeit haben, Schulen und Universitäten zu besuchen. Alle Frauen sollten sofort und ohne Bedingungen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können, in welcher Funktion auch immer sie vor August 2021 tätig waren.“

Humaira Rasuli, Aktivistin und Menschenrechtsanwältin aus Afghanistan, Gastwissenschaftlerin an der William & Mary Law School (Williamsburg, USA)

5. Frauen haben nur wenige Möglichkeiten zu arbeiten

Seit der Machtübernahme der Taliban sind die Berufsmöglichkeiten für Frauen stark eingeschränkt. Vielen wurde gekündigt. Andere dürfen nur noch von zu Hause aus arbeiten. Wer noch einen Arbeitsplatz hat, braucht für den Weg dorthin einen männlichen Begleiter (Mahram). Die Berufsverbote der Frauen stürzen viele Familien noch tiefer in die Armut. Immer mehr Afghan:innen müssen auf den Straßen betteln, um zu überleben.

Frauen, die dringend benötigte humanitäre Projekte umsetzen, können nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Seit April 2023 dürfen sie nicht mehr für die UN tätig sein. Das gleiche Bild zeigt sich im Bildungs- oder Gesundheitssektor. So dürfen Ärzt:innen beispielsweise keine männlichen Patient:innen behandeln oder sich mit ihren männlichen Kolleg:innen austauschen. Seit der Machtergreifung der Taliban hörten 84 Prozent der Frauen, die im Journalismus tätig sind, aus Angst vor Repressionen auf zu arbeiten. Die, die weitermachen, tun das unter Lebensgefahr. Auch weibliche Rechtsanwält:innen und Richter:innen sind überwiegend von der Arbeit ausgeschlossen. Zudem wurde der Zugang zu Arbeitsmöglichkeiten für Frauen weiter eingeschränkt, unter anderem durch Arbeitsverbote in Nichtregierungsorganisationen (NRO) und VN-Organisationen.

6. Zivilgesellschaftliche Frauenrechtsarbeit massiv unter Druck

Seit August 2021 demonstrieren die afghanischen Frauen immer wieder friedlich für Bildung, Arbeit, Gerechtigkeit und Frieden. Ihre Proteste setzten sie trotz der Brutalität des Regimes, trotz Verhaftungen und Entführungen von Demonstrant:innen fort. Auch zivilgesellschaftliche Organisationen und Aktivist:innen setzen sich nach wie vor mit Kreativität und Hoffnung für die Rechte von Frauen und Mädchen ein.

Eine Frau mit lockigem dunklen Haar steht auf einer Terrasse, wo im Hintergrund der Kölner Dom zu  sehen ist. Es ist Inga Weller, Regionalreferentin Afghanistan & Nordirak bei medica mondiale. © Anna Verena Müller/medica mondiale

"Wir müssen den Diskurs verschieben: weg von der 'Unterstützung des Globalen Südens durch den Globalen Norden' hin zu solidarischer Zusammenarbeit. Afghanische Frauen sprechen bereits mit starker Stimme auf der Weltbühne. Lassen Sie uns ihre Stimmen verstärken."

Inga Weller, Afghanistan-Referntin bei medica mondiale

7. Politische Beteiligung von Frauen nicht vorgesehen

Dank einer Quotenregel waren vor der Machtergreifung der Taliban 27 Prozent der Abgeordneten im Parlament Frauen. Landesweit gab es 21 Prozent weibliche Strafverteidiger:innen. 265 von insgesamt 1.951 Richter:innen waren Frauen. In der neuen Regierung gibt es keine einzige Ministerin. Stattdessen installierten die Taliban erneut das berüchtigte „Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhütung des Lasters“, das die frauenfeindlichen Erlasse des Regimes umsetzt. Frauen – einschließlich Richterinnen, Staatsanwältinnen und Anwältinnen – ist die Teilnahme am Rechtssystem verboten. Mit der Außerkraftsetzung der Verfassung von 2004 wurde das Rechtssystem praktisch zerstört, sodass die Unabhängigkeit der Justiz nicht länger gewährleistet ist.

8. Hohe Mütter- und Kindersterblichkeit

Afghanistan hat eine der höchsten Raten an Müttersterblichkeit der Welt. Nach UN-Schätzungen stirbt alle zwei Stunden eine afghanische Frau während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Ursachen sind das oft junge Alter, Mangelernährung und schlechte medizinische Versorgung der Schwangeren. Angesichts der humanitären Krise kann das Verkaufsverbot von Verhütungsmitteln, das die Taliban Anfang 2023 erließen, tödliche Folgen für Frauen haben.

9. Eingriffe in den Bereich der persönlichen Körperpflege und des Wohlbefindens

Die Schließung von Beauty Salons wurde erst im Juni 2023 angeordnet, was einen weiteren Eingriff in den Bereich der persönlichen Körperpflege, des Wohlbefindens und der Arbeitsmöglichkeiten von Frauen darstellt.

10. Diskriminierung der Hazara

Die mehrheitlich schiitischen Hazara sind seit langer Zeit Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt. Mit der Machtübernahme der Taliban hat die Unterdrückung zugenommen. Insbesondere Frauen und Mädchen sind von multiplen Formen der Diskriminierung und Gewalt betroffen.

Zahlreiche Anschläge wurden gezielt auf Frauen und Mädchen der ethnischen Minderheit Hazara verübt. Aktivist:innen machen durch Kampagnen auf den „stillen Genozid“ aufmerksam und mutige Hazara-Frauen protestieren immer wieder auf den Straßen afghanischer Städte gegen das Unrecht.

 

(Stand: 08/2026)

Zahlen & Fakten aus der Praxis

30
Frauenrechtsverteidiger:innen und ihre Familien konnten in Afghanistan durch sichere Unterkünfte, medizinische Versorgung und psychologische Beratung geschützt und begleitet werden.
40
verwitwete Frauen wurden in Afghanistan mit dringend benötigter Unterstützung versorgt, um sich und ihre Kinder besser vor extremer Kälte und winterbedingten Gesundheitsrisiken zu schützen.
225
Trotz massiver Einschränkungen konnten unsere Partner:innen 280 Frauen in Afghanistan psychosoziale Unterstützung ermöglichen.

Partnerorganisationen:

  • aus Sicherheitsgründen nennen wir die Namen unserer Partnerorganisationen nicht 

Projektschwerpunkte:

  • Safer Spaces für Aktivist:innen
  • Stärkung von Frauenrechtler:innen und frauengeführten Organisationen in Afghanistan
  • Einkommenschaffenden Maßnahmen für Frauen in Afghanistan
  • Versorgung und Stärkung der Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt
  • Versorgung und psychosoziale Unterstützung für geflüchtete Frauenrechtsverteidiger:innen in
    Afghanistan und im Exil
  • Fortbildungen für Jurist:innen
  • Nothilfefonds

Finanzierung (Mittelgeber):

  • Open Society Foundation
  • Eigenmittel

Quelle: Jahresbericht 2025

Arbeitsschwerpunkte

medica mondiale arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Afghanistan. Aus dem Programm der ersten Jahre ging die selbstständige afghanische Frauenorganisation Medica Afghanistan hervor. Mit ihr arbeitete medica mondiale eng zusammen und beriet sie in Organisations- und Fachfragen. Gegen alle Widerstände unterstützten die Aktivist:innen gewaltbetroffene Frauen und kämpften für gesellschaftliche Veränderung. Durch die Machtübernahme der Taliban 2021 gerieten sie in Lebensgefahr. Es gelang uns, alle 90 Kolleg:innen und ihre Familienmitglieder bei der Evakuierung nach Deutschland zu unterstützen.

Portraitfoto von Humaira Rasuli. © Privat

„Wir brauchen internationale Organisationen, die die afghanische Frauenbewegung sowohl finanziell als auch technisch und moralisch unterstützen. Ich glaube, dass Frauenorganisationen die einzigen Räume sind, die den afghanischen Frauen und Mädchen bleiben, um zusammenzukommen.“

Humaira Rasuli, afghanische Aktivistin und Menschenrechtsanwältin, Gastwissenschaftlerin an der William & Mary Law School (Williamsburg, USA)

Unter der Herrschaft der Taliban erfordert der Einsatz für die Rechte gewaltbetroffener Frauen und Mädchen kontinuierliches Improvisieren. Und sehr viel Mut. Dennoch gelingt es Aktivist:innen, gewaltbetroffene Frauen psychosozial und rechtlich zu unterstützen. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen setzen wir folgende Schwerpunkte:

1. Gewalt gegen Frauen verhindern

Eine unserer Partnerorganisationen setzt auf Dialog: Die Aktivist:innen diskutieren mit Gemeindemitgliedern über die Stärkung von Frauen. So gelang es ihnen, gewalttätige Übergriffe in den Familien spürbar zu senken.

2. Überlebende solidarisch unterstützen

Psychosoziales Beratungsprogramm

medica mondiale hat den STA – stress- und traumasensiblen Ansatz in enger Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen entwickelt. Auf Grundlage praktischer Erfahrungen vor Ort schulte medica mondiale die Berater:innen in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich in diesem Konzept. Auch heute arbeiteten unsere Partner:innen in psychosozialen Einzel- oder Gruppenberatungen mit von Gewalt betroffenen Frauen. Sie stärkten sie und arbeiteten die Gewalterfahrungen gemeinsam auf.

Sozioökonomische Unterstützung

Im Verborgenen unterstützen unsere Partnerorganisationen Frauen dabei, trotz Berufsverboten Möglichkeiten zu erschließen, um Geld zu verdienen, etwa als Bäckerin oder durch die Herstellung von Käse und Joghurt.

Wissen für die Rechtsberatung

Frauen dürfen nicht mehr studieren. Auch viele Berufe, darunter Rechtsanwältin und Richterin, sind ihnen verwehrt. Eine unserer Partnerorganisationen hat trotzdem eine Möglichkeit gefunden, Jurist:innen und ehemalige Jura-Student:innen über ein Online-Programm weiter auszubilden.

3. Feministische Aktion stärken

Aktivist:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen schützen

Gemeinsam mit einer Partnerorganisation unterstützen wir 60 Aktivist:innen und ihre Familien in Afghanistan, Iran und Pakistan finanziell, damit sie die grundlegenden Lebenshaltungskosten decken können. 

Aktivist:innen psychosozial beraten

Von Deutschland aus stärken wir Aktivist:innen durch psychosoziale Online-Angebote. Unter den Teilnehmenden des Programms sind Menschenrechtsverteidiger:innen, Friedensaktivist:innen, sowie Journalist:innen, Strafverteidiger:innen, Staatsanwält:innen, Lehrer:innen und Universitätsdozent:innen. Der Beratungsbedarf ist mit der Machtübernahme der Taliban stark gestiegen.  

Fachlich berät medica mondiale zudem Partnerorganisation dabei, stress- und traumasensible Angebote weiter auszubauen.

4. Frauenorganisationen unterstützen

Wir schaffen geschützte Räume, in denen sich die Aktivist:innen austauschen, vernetzen und gegenseitig stärken können. So soll bspw. eine digitale Plattform für Selbst- und Kollektivfürsorge ausgebaut werden. Sie baut auf dem Projekt „Safer Spaces“ (2023-2025) auf: In Online-Meetings und physische Treffen tauschten sich Aktivist:innen aus Afghanistan und im Exil aus und stärkten sich gegenseitig. Inspiriert durch den Austausch planen die Frauen nun den nächsten Schritt: Sie wollen eine „Self- and Collective Care Platform" aufbauen – ein digitaler Ort, an dem afghanische Frauenrechtsverteidiger:innen Kraft schöpfen und Ressourcen finden können, um ihren Widerstand aufrechtzuerhalten.

5. Frauenrechtsarbeit in Afghanistan auf die politische Agenda setzen

Von Deutschland aus setzen wir uns kontinuierlich dafür ein, das Thema „Frauenrechtsarbeit in Afghanistan“ auf die politische Agenda zu bringen. Wir schreiben Positionspapiere, verstärken Netzwerkarbeit und initiieren Gespräche mit Bundestagsabgeordneten sowie Vertreter:innen des Auswärtigen Amts (AA) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).  

Gemeinsam mit Partnerorganisationen fordern wir die internationale Gemeinschaft auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Wie dringend Frauen und Mädchen Unterstützung benötigen, unterstrichen Partner:innen 2025 mit einer Analyse der diskriminierenden Gesetze, die die Taliban in den vergangenen Jahren erlassen haben.

6. Nothilfe

Immer wieder wird Afghanistan von heftigen Erdbeben und den Folgen der Klimakrise getroffen. Über unsere Partnerorganisationen leisten wir Nothilfe, etwa nach den Erdbeben in der Provinz Kunar im Sommer 2025 sowie in Nangarhar im September 2025.

(Stand „Arbeitsschwerpunkte“: 08/2026)

Vida Faizi sitzt auf einem Sessel, neben ihr eine grüne Pflanze. © privat

„Die Medien und alle Menschen können Afghaninnen eine Plattform geben. Macht unsere Stimmen hörbar und teilt unsere schmerzhaften Botschaften, bis die Welt sie versteht!“

Lailoma Vida Faizi, Projektreferentin für Afghanistan bei medica mondiale

„Die internationale Gemeinschaft kann Druck auf die Taliban ausüben und sollte afghanische Aktivistinnen zu jedem Treffen über Afghanistan einladen. Afghanische Frauen sollten an jeder Entscheidung über ihr Heimatland und ihr Schicksal beteiligt werden. Keine ausländische Frau kann die afghanischen Frauen repräsentieren.“

Afghanische Frauenrechtsaktivistin und Rechtsanwältin

„Ich glaube, dass die internationalen Medien dafür sorgen können, dass Afghanistan in ihren Nachrichten hervorgehoben wird und das Land in der Berichterstattung präsent bleibt. Isolation und Ignoranz durch die Medien sind sehr gefährlich. Sie ermöglichen den Taliban, ihre Gräueltaten und die Geschlechter-Apartheid fortzusetzen, ohne Angst vor Rechenschaftspflicht. Die Medien sind eine der Möglichkeiten, die Taliban zur Rechenschaft zu ziehen und ihnen zu zeigen, dass die Welt auf sie schaut.“

Horia Mosadiq, afghanische Menschenrechtsverteidigerin