Wir unterstützen Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten.
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Unser Einsatz für Frauenrechte: auf allen Ebenen ansetzen

Mitarbeiterinnen unserer Partnerorganisationen auf einem öffentlichen Platz in Indien.

Mit unserem Einsatz für Frauenrechte unterstützen wir Überlebende sexualisierter Gewalt dabei, in Würde, Gerechtigkeit und frei von Gewalt zu leben. Dazu setzen wir auf allen Ebenen an. Denn die Ursachen und Folgen von Gewalt und Diskriminierung sind vielfältig. Sie müssen auf individueller, familiärer, institutioneller, politischer und gesellschaftlicher Ebene angegangen werden. Grundlage unserer Arbeit ist daher der Mehrebenen-Ansatz zur Prävention von und zum Schutz vor Gewalt. Darauf basieren verfolgen wir unser Ziel ist, dass Frauenrechte in Konflikt- und Postkonfliktregionen geschützt und verwirklicht werden.

Unsere psychosoziale Beratung: traumasensibel und solidarisch

Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, sind von physischen und psychischen Gewaltfolgen betroffen. Zugleich erfahren sie häufig Abwertung und Ausgrenzung durch ihre Familie und ihr soziales Umfeld. Überlebende benötigen nicht nur psychologische Unterstützung. Es bedarf eines psychosozialen Ansatzes, der die Solidarität der Überlebenden untereinander fördert und ihr familiäres und soziales Umfeld mit einbezieht.

Illustration mehrerer Menschen, die Frau im Zentrum hat die Augen geschlossen, auf ihrem Oberteil ist eine Spirale aufgedruckt.
Illustration mehrerer Menschen, die Frau im Zentrum hat die Augen geschlossen, auf ihrem Oberteil ist eine Spirale aufgedruckt.
Trauma-Arbeit
Was ist der stress- und traumasensible Ansatz® (STA) von medica mondiale?

Den Aufbau von psychosozialen Angeboten vor Ort stärken

In den meisten Konfliktregionen fehlen funktionierende staatliche Unterstützungsangebote. Es gibt nur wenige ausgebildete psychologische oder psychosoziale Fachkräfte. Existierende Angebote sind zudem meist nicht auf die spezifischen Bedürfnisse gewaltüberlebender Frauen ausgerichtet. Daher stärkt medica mondiale den Aufbau psychosozialer Beratungsangebote in (Post)-Konfliktregionen. Unsere Programme fördern solidaritätsbasierte psychosoziale Arbeit und schaffen Zugang zu Beratungsangeboten für Frauen und ihre Familien.

Das Recht auf sexuelle und reproduktive Gesundheit durchsetzen

Geschlechtsspezifische Gewalt und menschenrechtsverletzende Praktiken wie Zwangsheirat oder weibliche Genitalverstümmelung zählen zu den größten Gesundheitsrisiken für Frauen und Mädchen weltweit. Ein Schwerpunkt unserer Programme ist, Frauen und Mädchen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und über ihr Recht auf Zugang zu angemessenen Gesundheitsleistungen aufzuklären. Wir schaffen Zugang zu medizinischer Beratung und Versorgung. Mit Advocacy-Arbeit setzen wir uns in Deutschland und unseren Schwerpunktregionen für traumasensible Gesundheitsstrukturen ein, für legalen Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen, Notfallverhütung und anderen Leistungen für die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Überlebenden.

Zugang zu Rechtshilfe schaffen, Strafverfolgung ermöglichen

Frauen und Mädchen erfahren nur selten staatlichen Schutz und Rechtshilfe, wenn sie von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Häufig werden Gewaltfälle informell zwischen Behörden, Familien und Tätern verhandelt, ohne die Würde, Rechte und Wünsche der Überlebenden zu berücksichtigen. Daher schaffen wir Zugang zu Rechtsberatung und -vertretung. In Afghanistan bot das Rechtshilfeprojekt bis zur Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 kostenfreie traumasensible Rechtsberatung an. Anwältinnen unterstützten Frauen bei der Anzeige von Gewalttätern, klagten Entschädigungszahlen ein oder vertraten Frauen in Scheidungs- und Sorgerechtsfragen. In Westafrika unterstützt Medica Libera Frauen und Mädchen dabei, ihre Rechte einzuklagen, beispielweise auf Erbe und Zugang zu Land.

Ausbildung, Einkommen und Zugang zu Ressourcen sichern

Der Zugang zu Ausbildung, Arbeit und Überlebensressourcen wie Land, Wasser oder Saatgut sind für Frauen und Mädchen von fundamentaler Bedeutung. Der Zugriff auf ökonomische Ressourcen schafft Überlebensgrundlagen für Frauen und ihre Kinder und kann ein Weg aus der Spirale von Armut und Gewalt sein. Unsere Programme schaffen Zugang zu Bildung, Ausbildung, zum Aufbau von Spargruppen oder Kleinunternehmen. In der DR Kongo oder Burundi werden Frauen als Schneiderinnen oder im Bauhandwerk ausgebildet. In Bosnien schaffen sich Frauen durch Weiterbildungen und Existenzgründung in der Landwirtschaft Zukunftsperspektiven.

„Ich bekomme Respekt – und habe wieder das Gefühl dazuzugehören.“

Klientin von AFPDE (DR Kongo), die an einem Projekt zur wirtschaftlichen Stärkung teilnimmt

Die Stimmen der Überlebenden verstärken

Um eine Kultur der Anerkennung und Versöhnung zu verwirklichen, müssen bei der Aufarbeitung der Vergangenheit die Perspektiven der Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt miteinbezogen werden. Im Rahmen nationaler und regionaler Programmansätze werden Frauenrechtsorganisationen dabei unterstützt, sich zu vernetzen und sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass die Perspektiven und Bedürfnisse von Überlebenden in nationale und regionale Initiativen zur Vergangenheitsbewältigung aufgenommen werden. Unser Ziel ist es, ihre Stimmen hörbar zu machen und ihr Recht auf Wahrheit, Wiedergutmachung und gesellschaftliche Gerechtigkeit durchzusetzen.

Institutionen im Umgang mit Überlebenden qualifizieren

Frauen und Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, werden von Behörden und Institutionen häufig stigmatisiert, wenn sie Unterstützung in Anspruch nehmen. Sowohl im Krankenhaus als auch bei der Polizei oder vor Gericht erfahren Überlebende häufig Diskriminierung oder erleben erneute Gewalt. Es ist ein Schwerpunkt unserer Programmarbeit, gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen Fachkräfte und staatliche Institutionen darin zu qualifizieren, Gewaltbetroffenen mit einer stress- und traumasensiblen Haltung zu begegnen. Zudem beraten wir Institutionen dabei, wie sie Stress- und Traumasensibilität in ihren Abläufen verankern können. Auf internationaler Ebene bringen wir unsere Erkenntnisse in Fachgremien ein, um langfristig internationale Richtlinien der Gesundheitspolitik zu beeinflussen.

Aufklären, protestieren und Geschlechterrollen überwinden

Stereotype Geschlechterrollen schaden Individuen und Gesellschaften. Wir stellen Stereotypen und Sexismus in Frage und setzen uns für gesamtgesellschaftliches Umdenken ein. Wir unterstützen die Arbeit unserer Partnerorganisationen, die entschlossen und unermüdlich gesellschaftlichen Dialog zu Geschlechterrollen und Machtverhältnissen initiieren, aufklären und gegen Diskriminierung protestieren. Mit Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und Aktionen auf Gemeindeebene, in Institutionen und Politik tragen wir so zu gesellschaftlichen und politischen Wandel bei.

„Ich fühle mich stark und weiß, dass ich meine eigene Tochter mit den richtigen Werten erziehen kann.“

Nesrin Hamid (ehemalige Kursteilnehmerin und inzwischen selbst Kursleiterin) über den Einfluss der Arbeit von EMMA auf ihr Leben

Frauendiskriminierende Gesetze abschaffen

Geschlechterspezifische Ungleichheit ist oftmals gesetzlich festgeschrieben und tief in den Institutionen verankert. Unser Ziel ist es, diskriminierende Gesetze abzuschaffen und die Umsetzung von Reformen zu unterstützen. Ein Meilenstein im Kampf um Frauenrechte war der Erhalt des Gewaltschutzgesetzes von 2009 in Afghanistan. Im Verbund mit nationalen und internationalen Frauen- und Menschenrechtsorganisationen konnte Medica Afghanistan 2016 seine Abschaffung verhindern. 2017 konnte das Verbot der sogenannten Jungfräulichkeitstests erwirkt werden. In Liberia unterstützten unsere Partnerorganisation die historische Landrechtereform, mit der Frauen erstmals gleichberechtigten Anspruch auf das Land ihrer Vorfahren und gleiche Nutzungsrechte erlangten.

Kriegsverbrechen anerkennen, Entschädigungsgesetze erwirken

Kriegsvergewaltigungen beeinträchtigen die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen oft jahrzehntelang. Die meisten überlebenden Frauen erfahren niemals politische Anerkennung und offizielle Entschädigung für ihr Leid. Dass wegweisende Entschädigungsgesetze möglich sind, zeigen die Advocacy-Erfolge unserer Partnerinnen: Unsere irakische Partnerin EMMA erreichte im Verbund mit zivilgesellschaftlichen Gruppen ein Entschädigungsgesetz für Jesid:innen, die sexualisierte Gewalt durch den IS überlebt haben. Im Kosovo können überlebende Frauen seit 2017 den Status als Kriegsopfer und damit eine monatliche Rente beantragen. Unsere Partnerorganisationen unterstützen Überlebende im Antragsverfahren.

Frauenrechtsverteidiger:innen schützen und unterstützen

In Konflikt- und Postkonfliktzeiten ist die Arbeit von Frauenrechtsverteidiger:innen wichtiger denn je. Sie machen sich für die Belange von Frauen und Mädchen stark, benennen und bekämpfen geschlechtsspezifische Gewalt. Für ihre Arbeit werden sie häufig diffamiert, durch repressive Gesetze an ihrer Arbeit gehindert, bedroht und auch ermordet. Wir unterstützen bedrohte Aktivist:innen mit unbürokratischer Hilfe und fordern Regierungen weltweit, auch die Bundesregierung, dazu auf, Menschenrechtsverteidiger:innen zu schützen und zu unterstützen.

Auch in Deutschland: politische Frauenrechtsarbeit

Als Frauenrechtsorganisation setzen wir uns für eine feministische Politik im Umgang mit sexualisierter Gewalt ein: Wir tragen unsere Anliegen und die unserer Partnerorganisationen in die Politik und an die Öffentlichkeit. Auch in Deutschland oder vor dem UN-Sicherheitsrat: Wir fordern politische Verantwortungsübernahme für den Schutz von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten und ihre gleichberechtigte Mitwirkung an Friedensprozessen. Wir setzen uns für eine feministische Außen- und Menschenrechtspolitik ein und dafür, dass Ursachen und Folgen von sexualisierter Gewalt in den Blick genommen und bekämpft werden.