Trauma-Arbeit: Was ist der stress- und traumasensible Ansatz® (STA)?

Illustration von zwei Pflanzen auf pinken Hintergrund © Sabine Israel c / o kombinatrotweiss.de

Der STA – stress- und traumasensibler Ansatz® von medica mondiale stärkt Überlebende, Fachkräfte, Aktivist:innen und Organisationen. Er verbindet Haltung und konkrete Methoden, um Stress- und Traumadynamiken zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Entwickelt mit Partnerorganisationen in Kriegs- und Konfliktgebieten, ist er heute ein zentraler Bestandteil unseres feministischen Mehrebenenansatzes.

Unser Verständnis von Gewalt & Trauma – intersektional

Sexualisierte und geschlechterbasierte Gewalt wirkt nie isoliert. Sie überschneidet sich häufig mit Rassismus, Klassismus, Ableismus oder anderen Diskriminierungsformen. Nicht anerkannte strukturelle Ungerechtigkeiten können traumatische Dynamiken verstärken – und über Generationen weiterwirken. 

Der STA - stress- und traumasensibler Ansatz® berücksichtigt diese Zusammenhänge durch Machtsensibilität, ein soziopolitisches Verständnis von Trauma und den Fokus auf strukturelle Bedingungen, die Gewalt ermöglichen oder verhindern.

Safer-Spaces-Treffen der Aktivist:innen von Hami und  Kolleg:innen von medica mondiale im August 2025 © Martina Goyert / medica mondiale
Überlebende stärken
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Was ist der STA – stress- und traumasensibler Ansatz® von medica mondiale?

Der STA, stress- und traumasensibler Ansatz®, ist ein niedrigschwelliger, praxisnaher Ansatz, der Überlebende stärkt und gleichzeitig diejenigen schützt, die mit ihnen arbeiten. Er schafft Handlungsorientierung für Fachkräfte im Gesundheitswesen, der psychosozialen Arbeit, im Rechtsbereich, für Aktivist:innen und in Communities. Ziel ist eine Haltung und Praxis, die auf Selbstreflexion, Respekt und Achtung der Würde aller Menschen basiert.

Ziele des STA

 

Für Überlebende 

  • Stabilisierung und Stärkung 

  • Sichtbarmachung eigener Ressourcen 

  • Zugang zu stress- und trauma-sensibler Unterstützung 

Für Fachkräfte & Aktivist:innen 

  • Sensibilisierung für Stress- und Traumadynamiken 

  • Schutz vor Überlastung und Sekundärtraumatisierung 

  • Orientierung für machtsensible, würdigende Arbeit 

Für Organisationen & Institutionen 

  • Entwicklung stress- und traumasensibler Strukturen 

  • Etablierung von Selbstfürsorge, Mitarbeitenden- und kollektiver Fürsorge 

  • Qualitätssicherung für Angebote im Bereich Gewalt & Trauma 

Der STA - stress- und traumasensibler Ansatz
Sehen Sie auf einen Blick, wie unser STA wirkt: Zur Unterstützung von Menschen, die Gewalt und Trauma erlebt haben.

Die vier Prinzipien des STA

1. Sicherheit

Schutz und Sicherheit herstellen, Angst und Stress abbauen, Vertrauen in geschützten Räumen aufbauen. Wir arbeiten konsequent machtsensibel – damit Unterstützung nicht erneut Ohnmacht oder Abhängigkeit erzeugt. 

2. Empowerment

Selbstwert und Selbstwirksamkeit stärken, Ressourcen sichtbar machen, soziale und politische Teilhabe ermöglichen. Empowerment heißt: Menschen trauen sich zu, Entscheidungen zu treffen und ihr Leben selbst zu gestalten. 

3. Solidarität & Verbindung 

Isolation und Stigmatisierung entgegenwirken, Räume für Austausch schaffen, individuelle und gesellschaftliche Anerkennung von Unrecht ermöglichen. Verbindung stärkt Resilienz – sowohl individuell als auch kollektiv. 

4. Selbst- & kollektive Fürsorge 

Fürsorge individuell, in Teams und in Organisationen fördern. Stress- und Traumadynamiken erkennen, stärkende Arbeitsbedingungen etablieren und solidarische Netzwerke unterstützen. Fürsorge ist politische Praxis – sie schützt Engagement langfristig.

Der STA im Mehrebenenansatz von medica mondiale

Der STA ist eingebettet in den Mehrebenenansatz von medica mondiale. Da die Ursachen von sexualisierter und geschlechterspezifischer Gewalt auf verschiedenen Ebenen liegen, setzen medica mondiale und ihre Partnerorganisationen auch auf verschiedenen Ebenen an, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken. 

Gewalt hat Ursachen und Wirkungen auf vielen Ebenen. Der STA wirkt deshalb auf: 

  • Individueller Ebene – Beratung, psychosoziale Begleitung, Gruppenangebote 

  • Ebene des sozialen Umfelds – Sensibilisierung von Familien, Communities 

  • Institutioneller Ebene – Qualifizierung von Fachpersonal, Organisationsentwicklung 

  • Politischer Ebene – Advocacy, Gesetzes- und Strukturveränderungen 

  • Gesamtgesellschaftlicher Ebene – veränderte Narrative , abnehmende Stigmatisierung  

Dieses Zusammenspiel ermöglicht nachhaltige Veränderung.

Wie wir mit dem STA arbeiten

Qualifizierungen & Trainings

Wir qualifizieren gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen und regionalen Trainer:innenpools Fachkräfte, Aktivist:innen und Organisationen weltweit. Inhalte: 

  • Grundlagen von Trauma & Gewalt (intersektional-feministisch) 

  • Erkennen von Stress- und Folgen von traumatischen Belastungen 

  • Praktische Tools für Regulation, Stabilisierung & Ressourcenarbeit 

  • Selbst- und kollektive Fürsorge- 

  • Transfer der STA-Grundprinzipien in den eigenen Arbeitskontext 

Wir können derzeit aus Kapazitätsgründen keine offen ausgeschriebenen Fortbildungen anbieten. Inhouse-Fortbildungen jedoch können ggf. von unseren zertifizierten Trainer:innen übernommen werden.

Zum Trainer:innen-Pool

Themen von Inhouse-Fortbildungen können sein: 

Fortbildungen finden sowohl in Präsenz als auch digital statt. Bei Inhouse-Angeboten werden die Inhalte auf die Bedarfe zugeschnitten, es lassen sich verschiedene Schwerpunkt-Module kombinieren.  

Wenden Sie sich mit Ihrer konkreten Anfrage an: seminare@medicamondiale.org 

Fortbildungen Schweiz 

Die Kolleg:innen der Medica Mondiale Foundation Switzerland bieten in der Schweiz Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte und politische Aktivist:innen an. Sie orientieren sich ebenfalls am STA - stress- und traumasensibler Ansatz®. Weiterlesen

Konkrete Wirkungsbeispiele 

Fluchtkontext in Deutschland
Trainer:innen, Haupt- und Ehrenamtliche wurden qualifiziert. Ergebnis: neue Schutzräume in Unterkünften, stärkende Gruppenangebote für geflüchtete Frauen, verbesserte Strukturen. 

Gesundheitsfachkräfte in Burundi
56 Pflegekräfte wurden im STA geschult. Durch Coaching und Praxisbegleitung reagieren sie heute sensibel und kompetent auf Gewaltüberlebende im Gesundheitssystem. 

Kurdistan/Irak – kollektive Fürsorge
Eine Partnerorganisation entwickelte ein eigenes Fürsorgekonzept, stärkte Teams durch regelmäßige Übungen, Reflexionsräume und machtsensible Strukturen.