Trauma-Arbeit: Was ist der stress- und traumasensible Ansatz® (STA)?
Der STA – stress- und traumasensibler Ansatz® von medica mondiale stärkt Überlebende, Fachkräfte, Aktivist:innen und Organisationen. Er verbindet Haltung und konkrete Methoden, um Stress- und Traumadynamiken zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Entwickelt mit Partnerorganisationen in Kriegs- und Konfliktgebieten, ist er heute ein zentraler Bestandteil unseres feministischen Mehrebenenansatzes.
Unser Verständnis von Gewalt & Trauma – intersektional
Sexualisierte und geschlechterbasierte Gewalt wirkt nie isoliert. Sie überschneidet sich häufig mit Rassismus, Klassismus, Ableismus oder anderen Diskriminierungsformen. Nicht anerkannte strukturelle Ungerechtigkeiten können traumatische Dynamiken verstärken – und über Generationen weiterwirken.
Der STA - stress- und traumasensibler Ansatz® berücksichtigt diese Zusammenhänge durch Machtsensibilität, ein soziopolitisches Verständnis von Trauma und den Fokus auf strukturelle Bedingungen, die Gewalt ermöglichen oder verhindern.
Was ist der STA – stress- und traumasensibler Ansatz® von medica mondiale?
Der STA, stress- und traumasensibler Ansatz®, ist ein niedrigschwelliger, praxisnaher Ansatz, der Überlebende stärkt und gleichzeitig diejenigen schützt, die mit ihnen arbeiten. Er schafft Handlungsorientierung für Fachkräfte im Gesundheitswesen, der psychosozialen Arbeit, im Rechtsbereich, für Aktivist:innen und in Communities. Ziel ist eine Haltung und Praxis, die auf Selbstreflexion, Respekt und Achtung der Würde aller Menschen basiert.
Ziele des STA
Für Überlebende
Stabilisierung und Stärkung
Sichtbarmachung eigener Ressourcen
Zugang zu stress- und trauma-sensibler Unterstützung
Für Fachkräfte & Aktivist:innen
Sensibilisierung für Stress- und Traumadynamiken
Schutz vor Überlastung und Sekundärtraumatisierung
Orientierung für machtsensible, würdigende Arbeit
Für Organisationen & Institutionen
Entwicklung stress- und traumasensibler Strukturen
Etablierung von Selbstfürsorge, Mitarbeitenden- und kollektiver Fürsorge
Qualitätssicherung für Angebote im Bereich Gewalt & Trauma
Die vier Prinzipien des STA
1. Sicherheit
Schutz und Sicherheit herstellen, Angst und Stress abbauen, Vertrauen in geschützten Räumen aufbauen. Wir arbeiten konsequent machtsensibel – damit Unterstützung nicht erneut Ohnmacht oder Abhängigkeit erzeugt.
2. Empowerment
Selbstwert und Selbstwirksamkeit stärken, Ressourcen sichtbar machen, soziale und politische Teilhabe ermöglichen. Empowerment heißt: Menschen trauen sich zu, Entscheidungen zu treffen und ihr Leben selbst zu gestalten.
3. Solidarität & Verbindung
Isolation und Stigmatisierung entgegenwirken, Räume für Austausch schaffen, individuelle und gesellschaftliche Anerkennung von Unrecht ermöglichen. Verbindung stärkt Resilienz – sowohl individuell als auch kollektiv.
4. Selbst- & kollektive Fürsorge
Fürsorge individuell, in Teams und in Organisationen fördern. Stress- und Traumadynamiken erkennen, stärkende Arbeitsbedingungen etablieren und solidarische Netzwerke unterstützen. Fürsorge ist politische Praxis – sie schützt Engagement langfristig.
Der STA im Mehrebenenansatz von medica mondiale
Der STA ist eingebettet in den Mehrebenenansatz von medica mondiale. Da die Ursachen von sexualisierter und geschlechterspezifischer Gewalt auf verschiedenen Ebenen liegen, setzen medica mondiale und ihre Partnerorganisationen auch auf verschiedenen Ebenen an, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken.
Gewalt hat Ursachen und Wirkungen auf vielen Ebenen. Der STA wirkt deshalb auf:
Individueller Ebene – Beratung, psychosoziale Begleitung, Gruppenangebote
Ebene des sozialen Umfelds – Sensibilisierung von Familien, Communities
Institutioneller Ebene – Qualifizierung von Fachpersonal, Organisationsentwicklung
Politischer Ebene – Advocacy, Gesetzes- und Strukturveränderungen
Gesamtgesellschaftlicher Ebene – veränderte Narrative
, abnehmende Stigmatisierung
Dieses Zusammenspiel ermöglicht nachhaltige Veränderung.
Wie wir mit dem STA arbeiten
Qualifizierungen & Trainings
Wir qualifizieren gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen und regionalen Trainer:innenpools Fachkräfte, Aktivist:innen und Organisationen weltweit. Inhalte:
Grundlagen von Trauma & Gewalt (intersektional-feministisch)
Erkennen von Stress
-und Folgen von traumatischen BelastungenPraktische Tools für Regulation, Stabilisierung & Ressourcenarbeit
Selbst- und kollektive Fürsorge-
Transfer der STA-Grundprinzipien in den eigenen Arbeitskontext
Wir können derzeit aus Kapazitätsgründen keine offen ausgeschriebenen Fortbildungen anbieten. Inhouse-Fortbildungen jedoch können ggf. von unseren zertifizierten Trainer:innen übernommen werden.
Themen von Inhouse-Fortbildungen können sein:
Ursachen und Folgen sexualisierter Gewalt
Stress- und Traumadynamiken im Arbeitskontext und bei aktivistischen Gruppen
Selbst- und Mitarbeitendenfürsorge, C
collective CareEmpowerment und Aufbau von stärkenden Selbsthilfegruppen
Fortbildungen finden sowohl in Präsenz als auch digital statt. Bei Inhouse-Angeboten werden die Inhalte auf die Bedarfe zugeschnitten, es lassen sich verschiedene Schwerpunkt-Module kombinieren.
Wenden Sie sich mit Ihrer konkreten Anfrage an: seminare@medicamondiale.org
Fortbildungen Schweiz
Die Kolleg:innen der Medica Mondiale Foundation Switzerland bieten in der Schweiz Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte und politische Aktivist:innen an. Sie orientieren sich ebenfalls am STA - stress- und traumasensibler Ansatz®. Weiterlesen.
Konkrete Wirkungsbeispiele
Fluchtkontext in Deutschland
Trainer:innen, Haupt- und Ehrenamtliche wurden qualifiziert. Ergebnis: neue Schutzräume in Unterkünften, stärkende Gruppenangebote für geflüchtete Frauen, verbesserte Strukturen.
Gesundheitsfachkräfte in Burundi
56 Pflegekräfte wurden im STA geschult. Durch Coaching und Praxisbegleitung reagieren sie heute sensibel und kompetent auf Gewaltüberlebende im Gesundheitssystem.
Kurdistan/Irak – kollektive Fürsorge
Eine Partnerorganisation entwickelte ein eigenes Fürsorgekonzept, stärkte Teams durch regelmäßige Übungen, Reflexionsräume und machtsensible Strukturen.