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Sexualisierte Gewalt

Sexuelle Handlung gegen den Willen einer Person, Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Sexualisierte Gewalt gibt es in vielen Formen. Ihnen allen gemein ist, dass eine sexuelle Handlung gegen den Willen und das sexuelle Selbstbestimmungsrecht einer Person ausgeführt wird. Dies fängt verbal in Form von sexueller Beleidigung an. Auch sexuelle Belästigung wie Küssen und Anfassen gegen den Willen der betroffenen Person gehören zu sexualisierter Gewalt. Weitere Formen sexualisierter Gewalt sind unter anderem Vergewaltigung, Stalking, sexuelle Sklaverei, erzwungene Prostitution, Erzwingen sexueller oder pornographischer Handlungen, Zwangsschwangerschaft, Genitalverstümmelung, Zwangsabtreibung, erzwungene Sterilisation und Zwangsheirat.

Sexualisierte Gewalt richtet sich hauptsächlich seitens männlicher Täter gegen Frauen und Mädchen. Selten sind Jungen und Männer Opfer oder Frauen Täterinnen. Betroffen sind Menschen jeder Religion, jeder Nationalität, jeder sozialen Schicht, jeder sexuellen Ausrichtung. Das Risiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, erhöht sich, sobald es keine schützenden, sanktionierenden Gesetze und deren Anwendung gibt oder Abhängigkeitsverhältnisse wie beispielweise auf der Flucht und in Flüchtlingsunterkünften bestehen.

Sexualisierte Gewalt ist eine besonders hartnäckige Konstante unserer Gesellschaften – sei es in Kriegs- und Nachkriegszeiten oder in Friedenszeiten. Eine Konstante, die gesellschaftlich produziert ist, eine frauenfeindliche Haltung widerspiegelt und sich insbesondere durch aufklärende Öffentlichkeitsarbeit, geschlechtergerechte Erziehung, sensibilisierende Fortbildungen insbesondere für Gesundheitspersonal sowie Akteur:innen bei Polizei und Justiz, Schutz- und Beratungseinrichtungen, eine Null-Toleranz-Politik gegen Gewalt sowie entsprechend angewandte Gesetze verändern lässt.

Sexualisierte Gewalt statt sexueller Gewalt

medica mondiale verwendet anstatt der Bezeichnung „sexuelle Gewalt“ das Wortpaar „sexualisierte Gewalt“. So soll verdeutlicht werden, dass es bei sexuellen Handlungen gegen den Willen einer Person nicht um sexuelle Lustbefriedigung, sondern um Machtausübung, Kontrolle und Unterdrückung geht. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Ruth Seifert weist in ihrem Arbeitspapier „Krieg und Vergewaltigung: Ansätze zu einer Analyse“ darauf hin, dass Vergewaltigung kein aggressiver Ausdruck von Sexualität, sondern ein sexueller Ausdruck von Aggression ist, das heißt die Gewalt wird sexualisiert. Sexualisierte Gewalt ist ein schweres Menschenrechtsverbrechen.

Studie zeigt: Täter:innen meist aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis

Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Jahre 2002-2004 erlebten 13 Prozent der 10.000 befragten Frauen seit ihrem 16. Lebensjahr Formen strafrechtlich relevanter, sexueller Gewalt. Das ist fast jede siebte Frau in Deutschland.

Nur 15 Prozent der befragten Frauen, die eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung überlebt hatten, kannten die Täter:innen nicht. Meist war der Täter der eigene (Ex-)Partner oder kam aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis. Laut Studie nahm der Anteil der Tatverdächtigen aus dem familiären Umfeld zu. Als ein Grund für den Anstieg von Tatverdächtigen aus dem familiären Umfeld gilt der 1998 neu ins Gesetzbuch aufgenommene Straftatbestand der ehelichen Vergewaltigung und eine damit verbundene höhere Anzeigebereitschaft. Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung beschränken sich nicht auf bestimmte Bevölkerungsschichten, sexualisierte Gewalt ist laut der Studie des Bundesministeriums unabhängig von Schulbildung und Einkommen.