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Sexualisierte Kriegsgewalt

Frauen als Kriegsbeute, sexueller Ausdruck von Aggression, schwere Menschenrechtsverletzung

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist Ausdruck diskriminierender Geschlechterverhältnisse. Die Rechte, Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen werden denen von Männern und Jungen in patriarchalen Gesellschaften untergeordnet. Die Missachtung des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist für Frauen und Mädchen weltweit Realität. Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt verstetigt sich in Friedenszeiten, verschärft sich in bewaffneten Konflikten und setzt sich in Nachkriegsgesellschaften fort. Der Einsatz von Vergewaltigung als strategisches Mittel der Kriegsführung ist letzten Endes die Konsequenz aus dieser Ungerechtigkeit.

Sexualisierte Gewalt und Folter an Frauen und Mädchen sind Bestandteil jeden Krieges. Vergewaltigungen im Krieg beschränken sich nicht auf die Geschehnisse während und nach dem II. Weltkrieg, und auch die Massenvergewaltigungen im Bosnienkrieg Anfang der 90er Jahre waren kein unerklärlicher Ausreißer. Sexualisierte Gewalt ist nicht nur eine besonders perverse Form der Kriegführung, sondern eine erschreckende, traumatisierende Alltagserfahrung von Frauen und Kindern in vielen Ländern weltweit.

Zu allen Zeiten galten Frauen als „natürliche“ Kriegsbeute von Männern: Ihre Körper symbolisieren die vermeintliche Ehre der Männer, ihre „Schändung“ demonstriert Macht über die Gegenseite und die eigene Überlegenheit. Vergewaltigung und Folter von Frauen werden gezielt eingesetzt: zur Demoralisierung der gegnerischen Seite, zum Zweck ethnisch motivierter Vertreibungen und als Mittel gesellschaftlicher Unterdrückung. Daher führt der Begriff „sexuelle Gewalt“ auch in die Irre: Vergewaltigung ist kein aggressiver Ausdruck von Sexualität, so die Sozialwissenschaftlerin Dr. Ruth Seifert, sondern ein sexueller Ausdruck von Aggression – die Gewalt wird sexualisiert. Sexualisierte Gewalt hat nichts mit Sexualität zu tun. Weder für den meist männlichen Täter geschweige denn für das Opfer. Sie dient der Ausübung von Macht, Kontrolle und Unterdrückung des oder der Anderen. Sexualisierte Gewalt ist kein Bagatelldelikt, sie ist ein schweres Menschenrechtsverbrechen.

Sexualisierte Kriegsgewalt ist eine Verletzung des internationalen Rechts. Regierungen haben die Pflicht diese Verbrechen zu ahnden. Für die meisten Frauen und Mädchen ist es unerträglich, dass Täter:innen nie zur Rechenschaft gezogen werden.

Gesundheitliche Folgen

Vergewaltigungen im Krieg sind oft von besonderer Grausamkeit. Viele Frauen erleiden schwere innere und äußere Verletzungen, Risse in der Vagina und im Darm bis hin zu Beckenbrüchen. An den Geschlechtsorganen bilden sich Fisteln, die oft jahrelang chronische Schmerzen im Unterleib verursachen und häufig zu Inkontinenz führen. Manche Frauen können infolge ihrer Verletzungen keine Kinder mehr bekommen. Andere erleben Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Das Risiko, sich bei einer Vergewaltigung mit Geschlechtskrankheiten, insbesondere HIV/AIDS, zu infizieren, ist ebenfalls hoch.

Viele der massiven Beschwerden – anhaltende Kopf- oder Unterleibsschmerzen, Herzbeschwerden und Panikattacken – sind psychosomatischen Ursprungs. Sie entstehen unter anderem durch die Verdrängung der erlebten Gewalt, zu der sich Frauen in vielen Ländern gezwungen sehen. In Ländern wie Kosovo, Afghanistan oder auch in der Demokratischen Republik Kongo, wo traditionell orientierte Familien Vergewaltigung als Angriff auf die Ehre der Familie beziehungsweise des Ehemanns werten, stehen Frauen massiv unter Druck, dass niemand von ihrer Vergewaltigung erfahren darf.