Rede bei der Vernissage zur Ausstellung Weil wir Frauen sind. Martina Goyert

Jahresbericht 2025

Gemeinsam gegen sexualisierte Kriegsgewalt
In diesem Jahresbericht erfahren Sie, wie unsere Partner:innen mit den aktuellen Kriegen und Konflikten umgehen, wie wir als medica mondiale sie in ihrer Widerstandskraft stärken – und was wir von ihnen lernen können. Denn Solidarität und Gerechtigkeit beginnen bei uns.
41
Partnerorganisationen
49
Projekte
7500
Unterstützte Frauen & Mädchen
Safer-Spaces-Treffen der Aktivist:innen von Hami und  Kolleg:innen von medica mondiale im August 2025 © Martina Goyert / medica mondiale
Jahresbericht 2025 (PDF)
Den vollständigen Jahresbericht lesen – Alle Projekte, Finanzen und Geschichten im Detail – als PDF zum Download

Zahlen & Fakten

Was wir gemeinsam erreicht haben

Transparenz ist uns wichtig. Deshalb legen wir offen, woher unsere Mittel stammen und wie wir sie einsetzen. Hinter jeder Zahl steht eine Geschichte von Mut, Solidarität und Veränderung. Ob psychosoziale Beratung, Rechtsbeihilfe oder der Einsatz für politische Veränderungen – hier sehen Sie, wie Ihre Unterstützung 2025 in unseren Projektregionen gewirkt hat.

Liebe Leser:innen,

Solidarität und feministische Gemeinschaft sind stärker als jede Gewalt. Davon bin ich fest überzeugt. Und diese Überzeugung gibt mir die Kraft immer weiterzumachen. Trotz Gegenwind und Rückschlägen. Derzeit erlebt die Menschheit so viele Kriege und Konflikte wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Autoritäre, antifeministische Akteur:innen erstarken, während Handlungsspielräume für die zivilgesellschaftliche Organisationen beschnitten und ihre Mitarbeitenden angefeindet und bedroht werden. Auch der finanzielle Druck nimmt zu. Radikale Kürzungen bei den globalen Budgets für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit gefährden unter anderem die wichtige Arbeit unserer Partner:innen in Uganda und der DR Kongo, in Bosnien und Herzegowina, in Serbien, Liberia und Afghanistan. Auch in Deutschland werden Gelder gekürzt. Umso wichtiger ist es, dass wir solidarisch sind. Dass wir unsere Kräfte bündeln und uns gemeinsam mit Aktivist:innen weltweit für Menschenrechte und gegen Gewalt einsetzen. Als Zivilgesellschaft tragen wir nicht die Verantwortung für falsche Politik. Aber wir tragen die Verantwortung dafür, ob wir uns ganz persönlich im Rahmen unserer Kräfte für Veränderungen einsetzen, für die Würde der überlebenden Frauen und Mädchen. Und für unsere eigene Würde. 

Ihre Monika Hauser

„Das Lächeln zu sehen, das meine Arbeit auf das Gesicht einer Frau zaubert, ist die ganze Kraft, die ich brauche, um weiterzumachen.

Auch wenn es schwierig wird.“

Norris Linda Nakimbugwe, UWONET, Uganda Partnerschafts- und Advocacy-Referentin

„Die Möglichkeit, meine Ideen und Gedanken auszudrücken, macht mich stark.“

Anamarija Divković Ventić, Vive Žene, Bosnien und Herzegowina Sozialarbeiterin

„Was mich stark macht? Die Tatsache, dass jeder Samen, den wir im Leben unserer Mädchen säen, Führung, Mut, körperliche Selbstbestimmung und Freiheit von Gewalt hervorbringt.“

Immaculate Mukasa, MEMPROW, Uganda Geschäftsführerin

„Meine Motivation, die mich jeden Tag antreibt, ist, zu sehen, wie die Stärke der Überlebenden durch Gerechtigkeit wächst.“

Vesa Kryeziu-Brahushi, Medica Gjakova, Kosovo Rechtsberaterin

„Aktivismus ist ein Mittel, um Gewalt und Diskriminierung zu bekämpfen.“

Danica Jovanović, Vereinigung der Roma Novi Becej, Serbien Vorsitzende

Projektübersicht

In Westafrika nimmt sexualisierte Gewalt wieder zu. Und der Einfluss antifeministischer Akteur:innen steigt. So scheiterte der liberianische Präsident Joseph Boakai
im Dezember 2025 mit einem Gesetz zum Verbot von weiblicher Genitalverstümmelung. Auch in Sierra Leone blockieren einflussreiche traditionelle Autoritäten
entsprechende Gesetzesreformen und versuchen, feministische Akteur:innen als „unpatriotisch“ zu delegitimieren. Und doch gibt es gute Nachrichten: Im November 2025 kündigte Liberias Regierung einen nationalen Fonds zur Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Gewalt an – ein Erfolg der gemeinsamen
Advocacy-Arbeit feministischer Aktivist:innen und Frauenrechtsorganisationen.

Highlights 2025:

  • 10 Projekte mit 11 Partnerorganisationen
  • Unsere Partnerorganisation Girl2Girl in Sierra Leone schulte 15 Gemeindevertreter:innen zum Gesetz für Geschlechtergerechtigkeit (GEWE).
  • Schulungen
  • medica Liberia qualifizierte 24 Mitarbeitende von Gesundheitseinrichtungen im stress- und traumasensiblen Umgang mit Überlebenden sexualisierter Gewalt.
  • Unsere liberianische Partnerorganisation Sisters 4 Sisters bot 45 Menschenrechtsverteidiger:innen ein Sicherheitstraining an, um ihre Schutzkompetenz zu erhöhen.

Mehr zu unserer Arbeit in Westafrika

In der gesamten Region wurde der Handlungsspielraum für feministische Organisationen weiter beschnitten. Zum Beispiel in Uganda: Bürokratische Hürden und restriktive
Auflagen erschweren die Arbeit von Frauenrechtsorganisationen. Es wird zunehmend herausfordernder, Themen wie Diskriminierung, Vielfalt und Inklusion zu thematisieren.
Dennoch stärkten unsere Partnerorganisationen gewaltbetroffene Frauen bspw. durch psychosoziale Begleitung, medizinische Versorgung, juristische Beratung sowie Ausbildungen und berufliche Trainings.

Highlights 2025:

  • 14 Projekte mit 13 Partnerorganisationen
  • Im Südkivu (DR Kongo) schulten unsere Partnerorganisationen 30 medizinische Fachkräfte aus 10 Gesundheitseinrichtungen im stress- und traumasensiblen Umgang mit gewaltbetroffenen Frauen.
  • In Uganda besuchten 60 Polizeikräfte die Schulungen unserer Partnerorganisation MEMPROW zu Gender und Menschenrechten.
  • Im burundischen Geflüchtetencamp Musenyi bot medica mondiale gemeinsam mit der Partnerorganisation AST Unterstützung für 98 Überlebende von Gewalt.

Mehr zu unserer Arbeit in der Region Große Seen

Kriege und Konflikte erschüttern den Irak und seine Nachbarländer. Das schürt Unsicherheit – und die Angst vor dem Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat. Dessen Kämpfer hatten zwischen 2014 und 2019 tausende Frauen, darunter vor allem Jesidinnen aus dem Nordirak, verschleppt, vergewaltigt und versklavt. Rund zehn Jahre später legalisieren die Taliban in Afghanistan Versklavung, Gewalt und die Unterdrückung von Frauen. Trotz extremer Restriktionen fanden unsere Partnerorganisationen Wege, gewaltbetroffene Frauen psychosozial und rechtlich zu unterstützen.

Highlights 2025:

  • 13 Projekte mit 7 Partnerorganisationen
  • 30 Frauenrechtsverteidiger:innen und ihre Familien konnten in Afghanistan durch sichere Unterkünfte, medizinische Versorgung und psychologische
    Beratung geschützt und begleitet werden.
  • 40 verwitwete Frauen wurden in Afghanistan mit dringend benötigter Unterstützung versorgt, um sich und ihre Kinder besser vor extremer Kälte und
    winterbedingten Gesundheitsrisiken zu schützen.
  • Unsere Partnerorganisation Better World Organisation for Community Development im Nordirak bot für 225 gewaltbetroffene Frauen psychosoziale
    Gruppen- und Einzelsitzungen an.

Mehr zu unserer Arbeit in Afghanistan und im Irak

 

Angesichts ethnonationalistischer Narrative vieler Politiker:innen und der Angst vor neuen Konflikten warnen unsere Partnerorganisationen vor einer Retraumatisierung
von Überlebenden sexualisierter Gewalt. 2025 stieg die Zahl der Frauen, die psychosoziale Unterstützung suchten. Gleichzeitig wurden die Organisationen, die sie unterstützen, massiv unter Druck gesetzt. Unsere Partnerorganisationen legten weiter ihren Fokus auf psychosoziale, medizinische und juristische Unterstützung für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt und setzten sich dafür ein, dass die erlittene Gewalt rechtlich und sozial anerkannt wird.

Highlights 2025:

  • 7 Projekte mit 10 Partnerorganisationen
  • Unsere kosovarische Partnerorganisation KRCT erreichte 214 Studierende mit Kursen zu sexualisierter Kriegsgewalt.
  • 10 Mitglieder der staatlichen Kommission zur Entscheidung über Entschädigungszahlungen im Kosovo wurden von Medica Gjakova im stress- und
    traumasensiblen Ansatz geschult – ein wichtiger Schritt, um Entscheidungen im Sinne der Überlebenden zu treffen.
  • 62 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen an Workshops unserer Partnerorganisation Youth Initiative for Human Rights teil, in denen sie sich mit den Auswirkungen sexualisierter Kriegsgewalt auseinandersetzten.
  • Unsere bosnische Partnerorganisation Vive Žene stärkte 19 Mitglieder von Überlebendenverbänden, indem sie sie darin schulte, sich politisch für ihre Rechte einzusetzen und ihre Stimmen im öffentlichen Diskurs zu stärken.

Mehr zu unserer Arbeit in Südosteuropa

Wirtschaftsprüfbericht

Zum Jahresabschluss 2025 hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon GmbH medica mondiale e. V. mit Datum vom 26. Juni 2026 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt.