Vier Jahre Angriffskrieg auf die Ukraine: Sexualisierte Kriegsgewalt darf nicht unsichtbar bleiben
Heute jährt sich die Ausweitung des russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine zum vierten Mal. Seitdem gehört Gewalt gegen die Zivilbevölkerung – insbesondere sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt – für viele Menschen zum grausamen Alltag.
Sexualisierte Kriegsgewalt ist kein zufälliges Nebenprodukt von Krieg. Sie wurzelt in patriarchalen Strukturen: in Systemen, die Macht, Dominanz und Männlichkeit über Abwertung und Gewalt definieren und hinterlässt schwere körperliche und seelische Verletzungen. Diese wirken weit über den Moment hinaus und prägen das Leben der Überlebenden oft ein Leben lang – nicht selten auch über Generationen hinweg.
Seit mehr als 30 Jahren sind wir in Kriegs- und Krisengebieten tätig und kennen die verheerenden Folgen dieser Gewalt für Frauen und Mädchen. Auch vier Jahre nach Beginn des großflächigen Kriegs dauern die Kämpfe an – und mit ihnen die Gewalt gegen Zivilist:innen.
medica mondiale fordert weiterhin, dass alles getan wird, um Zivilist:innen wirksam vor sexualisierter und anderer Gewalt zu schützen. Alle Menschenrechtsverletzungen, insbesondere sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt, müssen dokumentiert, unabhängig untersucht und strafrechtlich verfolgt werden. Überlebende brauchen traumasensible und langfristige psychosoziale Unterstützung. Gleichzeitig müssen lokale Frauenorganisationen und Frauenrechtsaktivist:innen politisch und finanziell gestärkt werden – durch die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft.
Gemeinsam mit Partnerorganisationen haben wir gewaltbetroffene Frauen psychosozial unterstützt und Aktivist:innen in der Region gestärkt. Dieses Engagement zeigt, wie wichtig schnelle und flexible Hilfe in akuten Krisen ist – gerade dort, wo langfristige Strukturen fehlen oder Projekte enden.
Um auch künftig schnell auf eskalierende Krisen reagieren zu können, ist flexible Nothilfe entscheidend. Unser Nothilfefonds ermöglicht es, kurzfristig Unterstützung dort bereitzustellen, wo sie dringend gebraucht wird – für Frauen in Kriegs- und Krisengebieten weltweit.