DR Kongo: Angriffe, Vergewaltigungen, Ermordungen - Frauen und Mädchen auch 1 Jahr später massiv bedroht, medica mondiale fordert zu handeln!
Der Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ist seit Jahren durch politische Gewalt und Instabilität geprägt. Bewaffnete Gruppen liefern sich Kämpfe untereinander sowie mit der kongolesischen Armee. Hinzu kommen machtpolitische Interessen und militärische Ambitionen der kongolesischen, ruandischen und burundischen Regierung in der Region, sowie der Kampf um die Kontrolle wertvoller Rohstoffvorkommen durch diese und andere regionale aber auch internationale Akteur:innen. Leidtragende der Gewalt ist vor allem die Zivilbevölkerung und hier vor allem Frauen und Kinder, viele von ihnen auf der Flucht innerhalb des Landes. Seit Januar 2025 haben bewaffnete Gruppen der Alliance Fleuve Congo, unter ihnen das Mouvement du 23 Mars, besser bekannt als M23, erst militärisch die Millionenstadt Goma eingenommen, sowie anschließend auch die Provinzhauptstadt Bukavu und Uvira. Dabei haben sie eine Spur der Gewalt und Zerstörung hinterlassen. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hat für den Zeitraum Januar bis September 2025 über 80.000 Vergewaltigungsfälle dokumentiert.
„Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, um die anhaltende Gewalt zu beenden und die Zivilbevölkerung zu schützen. Es braucht Konzepte zum Schutz vor und zur Beendigung von militarisierter organisierter Gewalt, diese müssen gemeinsam mit Vertreter:innen der Zivilgesellschaft und hier vor allem Frauen erarbeitet werden.“, fordert Jana Ongoma Schwerdtfeger, Leitung internationale Programmarbeit der Frauenrechtsorganisation medica mondiale. „Was es nicht braucht, sind leere Solidaritätsbekundungen, geopolitische Machtspiele und vorgebliche Friedensinitiativen, die das Überleben der Menschen in der DRC instrumentalisieren und gefährden.“
Ein Jahr später sind die von Ruanda unterstützten M23 weiterhin in zahlreichen Gebieten präsent. Insgesamt 6,5 Millionen Menschen, rechnet die UNO Flüchtlingshilfe, waren Ende 2025 auf der Flucht, die Geflüchtetenlager überlastet. Es mangelt an grundlegender medizinischer, psychosozialer und struktureller Versorgung, auch für Frauen und Mädchen. medica mondiale hat auf diese akuten Bedarfe mit einem Nothilfeprojekt zur psychosozialen und medizinischen Versorgung von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt im Geflüchtetenlager Musenyi, im benachbarten Burundi, geantwortet, in dem laut Unicef über 19.000 geflüchtete Menschen Schutz suchen.“
„Frauen und Mädchen brauchen in erster Linie Schutz und Sicherheit. Sie sind weiterhin akut stark gefährdet, Gewalt zu erfahren und müssen schnell und unkompliziert medizinisch versorgt und psychosozial betreut werden“, weiß Schwerdtfeger, da medica mondiale seit Jahren mit Frauenrechtsorganisationen in der DRC zusammenarbeitet und die Bedarfe und Probleme vor Ort kennt.
„Die seit den 1990ern anhaltende Instabilität trifft vor allem die Zivilbevölkerung. Insbesondere Frauen und Mädchen sind seit Jahrzehnten in besonderem Maße von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt sowie deren unmittelbaren Langzeit- und transgenerationalen Folgen betroffen“, erklärt Schwerdtfeger. „Die kongolesische Regierung ist vor dem Hintergrund der andauernd instabilen Sicherheitslage kaum mehr in der Lage, dringend benötigte medizinische und psychosoziale Unterstützung für Überlebende bereit zu stellen. An vielen Stellen übernehmen feministische zivilgesellschaftliche Organisationen diese Rolle, doch ihre Arbeit ist mit denselben Problemen konfrontiert und außerdem extrem gefährlich – gerade in akuten Konflikt-Eskalationen wie der aktuellen “, so die Expertin.
medica mondiale fordert die Regierungen der Region, die Afrikanische Union sowie die internationale Gemeinschaft in ihren jeweiligen politischen Verantwortlichkeiten dazu auf,
eine politische Lösung zu unterstützen, die die unmittelbare Gewalt vor Ort beendet, die den Schutz der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt stellt. Die internationale Gemeinschaft sollte insbesondere den neu angestoßenen Mediationsprozess der Afrikanischen Union unter Federführung von Togo politisch und gegebenenfalls finanziell unterstützen, anstatt fragmentierte Transformationsbemühungen weiter zu verfolgen und zu bestärken.
die aktive Einbindung von Frauen und Frauenrechtsaktivist:innen in diesen sowie in jeden anderen Prozess über das Ende der Gewalt, einen potentiellen Friedensvertrag sowie eine Nachkriegsordnung und ähnliche Prozesse aktiv zu unterstützen und einzufordern. Ziel muss es sein, einen langfristigen Frieden zu schaffen.
die prioritäre Finanzierung von Maßnahmen zur Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Gewalt, einschließlich psychosozialer Unterstützung, Rechtshilfe und Gewährleistung eines ungehinderten Zugangs zu Dienstleistungen zu gewährleisten.
Frauenrechtsaktivist:innen und -organisationen in der Demokratischen Republik Kongo finanziell und politisch zu unterstützen.
Kriegsverbrechen, insbesondere mit Fokus auf sexualisierter Gewalt, konsequent zu ahnden - mit klar definierten Mechanismen zur Rechenschaftspflicht für Prävention, Untersuchung, Strafverfolgung und Wiedergutmachung.
medica mondiale steht solidarisch an der Seite von Frauen und Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo. Im Netzwerk der Region Große Seen Afrikas setzen wir uns auch weiterhin gemeinsam mit starken Verbündeten für den Schutz und die Unterstützung von Überlebenden ein.
Über medica mondiale
medica mondiale ist eine feministische Frauenrechtsorganisation. Seit über 30 Jahren setzen wir uns gegen sexualisierte Kriegsgewalt ein und gegen Machtverhältnisse, die Frauen unterdrücken. Gemeinsam mit Partnerorganisationen in Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern unterstützen wir Überlebende sexualisierter Gewalt, stellen uns gegen diskriminierende Machtverhältnisse und stärken Frauenrechtsaktivist:innen. Für eine gerechtere Welt. Für alle.