Afghanistan: „Wir haben die Verantwortung, unsere Stimme zu erheben"
Horia Mosadiq besuchte uns in Köln, nachdem sie eingeladen worden war, am UN Global Women's Forum for Peace and Humanitarian Aid in Berlin teilzunehmen. Sie wurde gebeten, gemeinsam mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock an einer Fragerunde teilzunehmen, in der sie die internationale Gemeinschaft kritisierte, weil sie den Frauen in Afghanistan nicht genug zugehört und den Taliban den Weg geebnet habe.
Die Frauen kämpfen weiter und riskieren ihr Leben. Horia Mosadiq forderte Annalena Baerbock auf, medica mondiale und die zivilgesellschaftlichen Organisationen in Afghanistan zu unterstützen.
Die Zusammenarbeit der SRMO mit medica mondiale begann im Juli 2021, kurz bevor die Taliban an die Macht kamen. Während des Besuchs von Horia in Köln haben wir mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.
Welche Art von Frauenrechtsarbeit ist in Afghanistan noch möglich?
Frauen dürfen keine Arbeit verrichten. Zivilgesellschaftliche Organisationen versuchen, die Frauen zu schützen und ihnen Hausunterricht zu erteilen. Wir geben nicht auf und finden immer wieder neue Wege, etwas zu tun. Die Frauen gehen weiterhin auf die Straße und versuchen, ihre Stimme zu erheben. Andere haben Angst zu reden, weil alles verboten ist.
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Ich habe schon viele Diktatoren auf dieser Welt erlebt. Ein Diktator ist nicht stark genug, um für immer an der Macht zu bleiben. Es gibt immer Hoffnung. Meine Hoffnung kommt von den Frauen in Afghanistan, die sich auf der Straße gegen die geschlechtsspezifische Apartheid der Taliban wehren, obwohl sie wissen, dass sie ins Gefängnis kommen, verprügelt oder getötet werden, wenn sie ihre Stimme erheben. Ich möchte ihrer Stimme Gehör verschaffen und mich für ihre Rechte einsetzen.
Unterstützer:innen und Spender:innen fragen oft, was sie machen können, um ihre Solidarität mit den Frauen in Afghanistan zu zeigen. Was würden Sie ihnen sagen?
Die Unterstützung von NGOs wie medica mondiale oder die direkte Unterstützung von Menschenrechtsverteidiger:innen, die versuchen, verdeckt zu arbeiten und dabei ihr Leben riskieren. Am 14. August waren wir Ministerinnen, Politikerinnen und Leiterinnen von Organisationen. Wir waren Lehrerinnen, Studentinnen, Anwältinnen und Ärztinnen. Am 15. August wachten wir auf und waren niemand mehr. Jemand hat uns unsere Identität und die Jahre harter Arbeit geraubt. Einige fühlen sich in ihrem eigenen Haus eingesperrt und haben ihre Identität verloren. Wir haben die Verantwortung, unsere Stimme zu erheben und die Taliban nicht anzuerkennen. Als Afghanin glaube ich an die internationale Schwesternschaft. Wir haben ein gemeinsames Interesse. Wir sollten an unseren Grundwerten und unserer Überzeugungen festhalten.