15. Juni 2026 - Meldung

Wellness? Widerstand!

Selbstfürsorge wird zunehmend instrumentalisiert und kommerzialisiert. Kosmetikfirmen verkaufen „Selfcare-Routinen", Fitnessmagazine empfehlen „5 Minuten Selfcare vor dem Workout”. Doch Selbst- und Mitarbeiter:innenfürsorge ist mehr als ein Wellness-Angebot. Es ist eine Strategie kollektiver Widerstandskraft – und deshalb Teil der Projektarbeit von medica mondiale.

Selfcare Projekt © UWONET

„Selbstfürsorge ist politisch“, sagt Karin Griese, Leiterin des Fachbereichs Trauma-Arbeit bei medica mondiale. Nur wer achtsam mit den eigenen Kraftreserven umgeht, kann sich langfristig engagieren. Und der Einsatz für Frauenrechte braucht viel Kraft.  

Jeden Tag stehen die Mitarbeiter:innen unserer Partnerorganisationen Überlebenden sexualisierter Gewalt bei. In ihrer Arbeit begegnen sie Armut, Traumata und Gewalt – und erfahren sie manchmal am eigenen Leib. In vielen Ländern müssen Aktivist:innen zusätzlich darum kämpfen, handlungsfähig zu bleiben, weil restriktive Auflagen und wachsender Antifeminismus die Arbeit zunehmend erschweren. Immer wieder werden Aktivist:innen angefeindet und bedroht. Dass vor allem Frauenrechtsorganisationen im Globalen Süden strukturell unterfinanziert sind, erhöht den Druck. Projekte können nicht umgesetzt, Arbeitsplätze nur schwer langfristig gesichert werden. „Unsere Partner:innen sind vielen Stressfaktoren ausgesetzt“, berichtet Griese.

Staff- und Selfcare, also Selbst- und Mitarbeiter:innen-Fürsorge, ist daher ein wichtiger Teil der Arbeit von medica mondiale. Aufbauend auf dem STA – stress- und traumasensibler Ansatz® will die Frauenrechtsorganisation die Resilienz ihrer Partnerorganisationen stärken und Mitarbeiter:innen vor zu hoher Belastung schützen.

Dafür organisiert Grieses Team regelmäßig Workshops. Das Ziel: einen bewussten Umgang mit Stress‑ und Traumadynamiken stärken und ein Gefühl von Sicherheit, Solidarität und Empowerment entstehen lassen. Gemeinsam erarbeiten die Partnerorganisationen dafür Konzepte, angepasst an die jeweilige Arbeitsrealität. „Das reicht von der Entscheidung, einmal im Monat gemeinsam zu Mittag zu essen über die Einrichtung eines Fitnessraums im Büro und regelmäßige Übungen zur Stressregulation bis zur Erarbeitung von Sicherheitskonzepten“, berichtet Griese. In Notsituationen unterstützt medica mondiale die Evakuierung von Kolleg:innen – etwa aus Afghanistan 2021 oder Anfang 2025 die Partner:innen aus der Demokratischen Republik Kongo – und sorgt dafür, dass die Aktivist:innen psychosoziale Unterstützung erhalten. 

Krisensituationen lassen nur schwer Raum für Reflexion.

Portraitfoto von Karin Griese, Bereichsleitung Trauma-Arbeit. Karin Griese trägt einen bunt gemusterten Schal. © Anna Verena Müller/medica mondiale

Selbst im Alltag ist es oft eine echte Herausforderung, sich diese Zeit zu nehmen, aber es ist essenziell.“

Karin Griese, Leiterin Fachbereich Trauma-Arbeit

Veranstaltung von medica mondilale und Partner:innen © Anna-Verena Müller
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