03. Mai 2026 - Kommentar

Pressefreiheit schützen – sexualisierte Kriegsgewalt sichtbar machen

Am 3. Mai, dem Internationalen Tag der Pressefreiheit, geht es um mehr als die Verteidigung eines demokratischen Grundprinzips. Es geht um ein Menschenrecht – und um die Frage, wessen Realität sichtbar und öffentlich gemacht wird. Für uns als Frauenrechtsorganisation mit dem Schwerpunkt auf sexualisierter Kriegsgewalt ist klar: Pressefreiheit zu schützen heißt auch, diese Gewalt öffentlich zu machen!

Die weltweite Lage der Pressefreiheit hat einen historischen Tiefstand erreicht. Die aktuelle Rangliste von Reporter ohne Grenzen von 2026 zeigt: In 94 von 180 Ländern gilt die Situation für Medienschaffende inzwischen als „schwierig“ oder „sehr ernst“. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Staaten, in denen freie Berichterstattung massiv eingeschränkt ist, nur 1 Prozent lebt in einem der sieben Ländern, in denen diese noch als „gut“ eingestuft wird. Gleichzeitig wurden im Jahr 2025 laut dem Komitee zum Schutz von Journalist:innen (CPJ) 129 Journalist:innen getötet – mehr als je zuvor seit Beginn der Datenerhebung. Diese Zahlen sind kein abstrakter Befund. Sie stehen für Einschüchterung, Gewalt und systematische Versuche, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. 

Und doch berichten Journalist:innen weiter – oft unter Lebensgefahr. Gerade aus Kriegs- und Krisengebieten leisten sie unverzichtbare Arbeit für die Sichtbarkeit von Menschenrechtsverletzungen. Um Aufmerksamkeit zu schaffen, braucht es viele Stimmen: vor allem die der Überlebenden, der Zivilgesellschaft, aber auch die von Journalist:innen. Ihre Berichte tragen maßgeblich dazu bei, Verbrechen wie sexualisierte Kriegsgewalt in die Öffentlichkeit tragen. Denn was medial berichtet wird, gelangt stärker ins öffentliche Bewusstsein. Und diese Öffentlichkeit ist essentiell, damit Überlebende Unterstützung erhalten und damit sich Politik und Gesellschaft mit diesen Verbrechen auseinandersetzen müssen, damit Handlungsdruck entsteht. 

Als medica mondiale erleben wir diesen Zusammenhang seit unserer Gründung. Anfang der 1990er Jahre waren es internationale Medienberichte über die systematischen Vergewaltigungen im Bosnienkrieg, die das Ausmaß dieser Verbrechen weltweit öffentlich machten. Sie brachten das Thema auf die internationale Agenda – und bewegten Monika Hauser dazu, nach Zenica zu gehen und dort gemeinsam mit Fachfrauen von vor Ort Überlebende zu unterstützen. Aus diesem Engagement entstand unsere Frauenrechtsorganisation medica mondiale. Dieses Beispiel zeigt: Was berichtet wird, wird Teil des öffentlichen Bewusstseins – und kann konkrete Veränderungen anstoßen. Seitdem haben Überlebende und Aktivist:innen weltweit bis heute dafür gekämpft, das Thema sexualisierte Kriegsgewalt auf die internationale Agenda zu bringen. Die Medienberichterstattung der 90er Jahre hat diese Arbeit unterstützt. 

Heute beobachten wir weiterhin: durch mediale Aufmerksamkeit gelangen Fälle sexualisierter Kriegsgewalt ins Licht der Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit ist entscheidend. Sie schafft Raum für die Stimmen von Überlebenden, stärkt zivilgesellschaftliches Engagement und erhöht den Druck auf Politik und internationale Gemeinschaft, Verantwortung zu übernehmen und Unterstützung bereitzustellen. 

Dabei gilt auch: Medien sind nicht neutral. Sie prägen Wahrnehmung, setzen Themen und beeinflussen gesellschaftliche Haltungen. Sie können Gewalt verharmlosen – oder sie benennen und verurteilen. Gerade deshalb ist unabhängiger, verantwortungsvoller Journalismus zentral im Kampf für Frauenrechte. 

Pressefreiheit ist ein Menschenrecht. Wir würdigen die Arbeit von Journalist:innen weltweit, die unter schwierigsten Bedingungen Menschenrechtsverletzungen öffentlich machen. Und wir rufen dazu auf, es ihnen gleichzutun: hinzusehen, zuzuhören und die Bedeutung freier Berichterstattung anzuerkennen. 

Denn eines bleibt klar: Ohne Pressefreiheit gibt es weniger Öffentlichkeit. Ohne Öffentlichkeit gibt es weniger Druck. Und ohne Druck bleibt sexualisierte Kriegsgewalt zu oft unsichtbar.

Veranstaltung von medica mondilale und Partner:innen © Anna-Verena Müller
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