15. Juni 2026 - Pressemeldung

Internationaler Tag zur Beseitigung sexualisierter Gewalt in Konflikten: Sexualisierte Kriegsgewalt ist kein Ausnahmefall, sondern ein globales Muster

Sexualisierte Gewalt gehört zu den wiederkehrenden Realitäten bewaffneter Konflikte weltweit. Dennoch wird sie häufig als Ausnahme statt als Ausdruck globaler patriarchaler Machtverhältnisse behandelt. Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung sexualisierter Gewalt in Konflikten am 19. Juni fordert medica mondiale die Bundesregierung auf, Überlebende und Frauenrechtsorganisationen langfristig zu unterstützen und die Bekämpfung sexualisierter Kriegsgewalt zur politischen Priorität zu machen.

Kolleg:innen von medica mondiale mit Demoschildern und Plakaten bei der Demonstration zum feministischen Kampftag am 8. März 2026 in Berlin. © Thays Moreira

Köln, 19. Juni 2026. Sexualisierte Gewalt ist ein schweres Menschenrechtsverbrechen und ein globales Muster in bewaffneten Konflikten. Sie dient der Einschüchterung, Demütigung, Vertreibung und Machtausübung und trifft Frauen und Mädchen besonders stark. Dennoch wird sie vielfach als temporäres Phänomen einzelner Kriege betrachtet, statt als Ausdruck struktureller Gewalt und patriarchaler Machtverhältnisse weltweit.

Die Welt erlebt derzeit so viele bewaffnete Konflikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Laut dem Osloer Friedensforschungsinstitut wurde 2024 der höchste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 1946 gezählt: 61 Konflikte in 36 Staaten. Parallel dazu ist auch die Zahl der dokumentierten Fälle von sexueller Gewalt rapide angestiegen, sowohl in ihrer Häufigkeit als auch Brutalität. Wie der im Mai veröffentlichte Bericht des UN-Generalsekretariats von António Guterres zeigt, hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

„Sexualisierte Gewalt in Konflikten ist weder Zufall noch Ausnahmeerscheinung, sondern Ausdruck von Machtungleichheiten und patriarchalen Strukturen, die Frauen und Mädchen weltweit systematisch diskriminieren und verletzen – vor, während und nach dem Krieg“, sagt Monika Hauser, Gründerin und Vorständin von medica mondiale.

Denn sexualisierte Gewalt existiert im Kontinuum: sie verstetigt sich in Friedenszeiten, verschärft sich in bewaffneten Konflikten und setzt sich in Nachkriegsgesellschaften fort. „Das heißt, wer diese Gewaltspirale wirksam bekämpfen will, muss ihre strukturellen Ursachen in den Blick nehmen – auf gesellschaftlicher und institutioneller Ebene und zu allen Zeiten - statt sie auf ein Kriegsphänomen zu reduzieren“, erklärt Hauser.

Die Folgen sexualisierter Kriegsgewalt reichen weit über die unmittelbare Gewalterfahrung hinaus. Sie können das Leben der Überlebenden weitreichend und langanhaltend prägen und als transgenerationale Traumata über Generationen hinweg wirken. Stigmatisierung, Vergewaltigungsmythen und gesellschaftliches Schweigen erschweren vielen Betroffenen den Zugang zu Unterstützung und Anerkennung zusätzlich.

„Ein durch sexualisierte Gewalt ausgelöstes Trauma ist mehr als eine psychische oder körperliche Verletzung. Es erschüttert Vertrauen, Beziehungen und soziale Zugehörigkeit“, so Hauser. „Überlebende brauchen daher langfristige stress- und traumasensible Unterstützung – auf medizinischer, psychosozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Ebene.“ 

Mit großer Sorge beobachtet medica mondiale zugleich die zunehmenden Angriffe auf internationale Menschenrechtsstandards und frauenrechtliche Errungenschaften. Weltweit werden Rechte von Frauen und Mädchen infrage gestellt und gleichzeitig Institutionen und Verträge angegriffen, die ihrem Schutz dienen.

„Gerade jetzt dürfen Regierungen und internationale Institutionen nicht zurückweichen“, betont Hauser. „Frauenrechtsaktivist:innen verteidigen unter schwierigsten Bedingungen Menschenrechte, Demokratie und Frieden. Sie brauchen Schutz, politische Unterstützung und eine verlässliche Finanzierung.“

Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung sexualisierter Gewalt in Konflikten fordert medica mondiale die Bundesregierung auf, 

  • die Bekämpfung von sexualisierter Kriegsgewalt zur politischen Priorität zu machen und dabei sowohl die Bekämpfung der Gewalt als auch die traumatischen Folgen als gesamtgesellschaftliche Verantwortung anzuerkennen: 

  • indem sie Maßnahmen finanziell fördert, die Überlebende langfristig, ganzheitlich und traumasensibel unterstützen.

  • indem sie die Arbeit von Frauenrechtsorganisationen unterstützt , die den Betroffenen medizinische und psychosoziale Unterstützung sowie juristische Beratung bieten und sich auf politischer Ebene für die Anliegen der Betroffenen einsetzen. 

  • Frauenrechtsaktivist:innen und ihre Organisationen politisch und diplomatisch zu unterstützen und sich für ihren Schutz einzusetzen. 

  • die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen und politischen Entscheidungen zu stärken. 

  • Täter:innen sexualisierter Kriegsgewalt konsequent strafrechtlich zu verfolgen. 

  • Internationale Abkommen zum Schutz von Frauen und Überlebenden voranzutreiben und umzusetzen, insbesondere die UN Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit. 

  • Diskriminierende Macht- und Herrschaftsverhältnisse abzubauen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. 

„Sexualisierte Kriegsgewalt ist kein Randthema einzelner Konflikte. Sie ist ein globales und historisch wiederkehrendes Muster“, sagt Hauser. „Wir müssen den Anstieg der Zahl bewaffneter Konflikte als Weckruf verstehen: ohne politischen Druck, konsequente Strafverfolgung und die Stärkung lokaler Frauenrechtsorganisationen wird sexualisierte Kriegsgewalt weiter eskalieren. Solange wir nicht hinschauen, nicht erinnern und nicht handeln, wird sich dieses Muster fortsetzen.“

 

Veranstaltung von medica mondilale und Partner:innen © Anna-Verena Müller
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