Für andere stark sein – bei sich selbst anfangen
Wie setzt ihr Staff- und Self-Care in eurem Büro um?
Self-Care sieht für jede Person anders aus – besonders in einem kleinen Team wie unserem in Dohuk. Deshalb gehen wir das ganz einfach und menschlich an.
Wir checken regelmäßig bei uns ein, sowohl in Meetings als auch im Alltag. Es gibt Raum für Gefühle – sie müssen nicht versteckt werden, sondern werden gemeinsam getragen.
Unterstützung ist zentral: Wir springen füreinander ein, übernehmen Aufgaben und sind da, wenn jemand überlastet ist. Dieses Vertrauen gibt Sicherheit.
Wichtige Momente entstehen auch im Miteinander: Gemeinsame Frühstücke oder Mittagessen spielen eine große Rolle. Essen ist in der kurdischen Kultur etwas Besonderes – es verbindet und schafft Raum zum Durchatmen.
Warum habt ihr eine Self-Care-Ecke eingerichtet?
Am Anfang lag unser Fokus vor allem auf den Menschen, die wir unterstützen. Mit der Zeit wurde klar: Um gut für andere da zu sein, müssen wir auch bei uns selbst anfangen.
Self-Care war für viele Kolleg:innen zunächst ein neues Konzept. Erst während COVID bekam mentale Gesundheit mehr Aufmerksamkeit.
Deshalb wollten wir bewusst einen Raum schaffen, in dem Wohlbefinden Teil des Arbeitsalltags ist. Da Self- und Staff-Care zentrale Bestandteile der Arbeit von medica mondiale sind, war es uns wichtig, diese Werte auch intern zu leben.
So entstand die Self-Care-Ecke am World Mental Health Day 2022. Für mich persönlich gilt: Self-Care ist kein Extra, sondern notwendig, um langfristig handlungsfähig zu bleiben – ganz im Sinne von Audre Lorde: „Caring for myself is not self-indulgence, it is self-preservation.“
Wie ist die Self-Care-Ecke gestaltet?
Die Ecke ist warm und einladend gestaltet, mit weichem Licht und ruhiger Atmosphäre.
Es gibt verschiedene Angebote: Achtsamkeitsspiele, Mandala-Ausmalen, kreative Tools wie Diamond Painting, Bücher, Stressbälle oder kleine Spiele. Außerdem ein Self-Care-Booklet sowie Affirmationskarten.
Der Raum soll daran erinnern, dass es okay ist, innezuhalten und sich selbst kleine Pausen zu erlauben.
Wie wird die Ecke genutzt?
Jede Person nutzt sie anders – genau das macht sie besonders. Viele lesen, malen oder nehmen sich bewusst ruhige Momente.
Besonders verbindend war das Diamond Painting: Es wurde zu einer gemeinsamen Aktivität im Team. Auch Mitarbeitende wie unsere Reinigungskraft haben daran teilgenommen.
Die Kolleg:innen gestalten den Raum aktiv mit – mit Kerzen, Musik oder eigenen Routinen. Insgesamt wurde die Ecke sehr natürlich angenommen und ist heute ein selbstverständlicher Teil des Arbeitsalltags.
Gab es Veränderungen im Arbeitsalltag?
Ja, kleine, aber spürbare: Stressringe sind inzwischen auf vielen Schreibtischen zu finden.
Vor allem hat sich die Gesprächskultur verändert: Mentale Gesundheit wird offener thematisiert, Stress wird eher angesprochen und normalisiert.
Auch außerhalb des Büros wirkt die Idee: Eine Partnerorganisation hat eine eigene Self-Care-Ecke eingerichtet, und Besucher:innen lassen sich inspirieren.
Welche Botschaften sind euch besonders wichtig?
Besonders wichtig sind Botschaften, die zu Selbstfreundlichkeit ermutigen. Sie erinnern daran, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich selbst mit derselben Fürsorge zu begegnen, die wir anderen entgegenbringen.
Wie unterstützt ihr Partnerorganisationen beim Thema Self-Care?
Wir versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. In Workshops und Trainings integrieren wir bewusst Self-Care – z. B. durch Atemübungen, Achtsamkeit oder die Nutzung unserer Self-Care-Ecke.
Auch kleine Gesten sind wichtig: gemeinsames Essen, Wertschätzung durch Karten oder kleine Geschenke.
Wir teilen Materialien wie Self-Care-Booklets und achten darauf, Pausen und Bewegung fest einzuplanen.
Feedback zeigt uns, dass sich Partnerorganisationen gesehen und wertgeschätzt fühlen. Das bestätigt: Kleine, bewusste Handlungen können viel bewirken.