Evaluation: Transnationales Gesundheitstraining- und Advocacy-Programm (THTP III)
Veränderte Gesundheitspraxis
Das Programm hatte das Ziel, Gesundheitsfachkräfte im stress- und traumasensiblen Umgang mit Überlebenden sexualisierter und geschlechtsspezifische Gewalt zu stärken. Dazu wurden vier miteinander verknüpfte Schwerpunkte umgesetzt: die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitsfachkräften nach dem „Training of Trainers“-Modell, die Verankerung des STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes® in Gesundheitspolitik und -strukturen, die Arbeit mit Communitys sowie transnationales Lernen und Advocacy. Eine unabhängige Evaluation von Global Aid Insights bestätigt, dass das Programmziel weitgehend erreicht wurde. Ausgebildete Fachkräfte kommunizieren klarer, respektieren die Vertraulichkeit ihrer Patient:innen und vermitteln Überlebende gezielter an weiterführende Unterstützungsangebote. Trainer:innen sowie Fachkräfte vor Ort berichten, dass THTP III die erste Initiative war, die ihnen konkrete Tools für diese Arbeit gegeben hat.
Unterschiedliche institutionelle Verankerung in den drei Programmregionen
Die Evaluation bewertet das Programm insgesamt als relevant und moderat wirksam. Im Kosovo und in der Kurdischen Region im Irak berichten Fachkräfte von deutlichen Wissenszuwächsen und gestärkten Kompetenzen. Die Institutionalisierung des STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes® ist im Kosovo am weitesten fortgeschritten, wo er in Akkreditierungs- und Lizenzierungssysteme der Berufsverbände eingebettet wurde. In Bosnien-Herzegowina hat Medica Zenica zur Entwicklung von Fachleitlinien und kantonalen Strategien beigetragen. In der Kurdischen Region im Irak verlief der Prozess langsamer, bedingt durch Verwaltungshürden und begrenzte Monitoring-Kapazitäten.
Lokale Trainer:innen tragen den STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes® weiter
Das Programm wurde insgesamt als kosteneffizient eingeschätzt. Rund drei Viertel der Programmressourcen flossen direkt in die Umsetzung und mehr als die Hälfte davon verblieb auf Länderebene. Das „Training of Trainers“-Modell setzt auf lokale Trainer:innen statt auf externe Expert:innen und ermöglichte damit eine erfolgreiche Weitergabe des STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes®.
Was gestärkt werden muss
Die Wirkung auf Überlebende bleibt schwer messbar, da ihre spezifischen Bedarfe in der Planungsphase nicht systematisch erhoben wurden. Die Evaluation verweist auf fehlende Ausgangsdaten und in einigen Kontexten noch unvollständige Standardarbeitsverfahren. Für die langfristige Nachhaltigkeit braucht es staatliche Budgets, strukturierte Auffrischungsangebote für die Gesundheitsfachkräfte und eine stärkere institutionelle Einbettung des STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes®. Zudem sollen die Stimmen von Überlebenden künftig systematischer in das Programmlernen einfließen.
Damit Veränderung bleibt
THTP III zeigt, dass nachhaltige Veränderungen in von Konflikten betroffenen Gesundheitssystemen möglich sind. Der STA - stress- und traumasensiblen Ansatzes® hat verändert, wie Gesundheitsfachkräfte Überlebende sexualisierter Gewalt wahrnehmen und unterstützen. Der nächste Schritt ist die dauerhafte Verankerung in Institutionen und politischen Strukturen, damit stress- und traumasensible Versorgung zum Standard wird.